Posts mit dem Label bilder werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label bilder werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, Mai 09, 2007

Jean Reno wartet auf Mitfahrgelegenheit

Auf dem Boulevard Raspail ist mir letztens Jean Reno begegnet. Ich war gerade auf dem Weg nach Hause von einem kleinen Ausflug ins Kino. Vor einem Büro-Gebäude auf jenem Boulevard stand er da ganz alleine und wartete offensichtlich auf eine Mitfahrgelegenheit. Als ich an ihm vorbei lief schauten wir uns - da sonst niemand da war - für einen Augenblick an. Eigentlich wäre es natürlich an mir gewesen ihn zu grüßen - aber nein - Höflichkeitsformel gerade mal wieder verschlafen und dann wars auch schon zu spät.
Er wird's nicht so schwer genommen haben. Dürfte ihm in letzter Zeit auch öfters passieren, immerhin war der neue französische Präsident Sarkozy letztens gerade sein Trauzeuge und auch sonst gibt er sich politisch derzeit ganz als Rechts-Konservativer. Er wird also schon ein paar Fans vergrault haben... Aber meine Güte! Dieser Mann hat in "Leon der Profi" mitgespielt! Alles was sich an seinem Äußeren seither geändert hat, ist offenbar seine Brille.

Jean Reno habe ich im siebten Arrondissement von Paris getroffen, einem ziemlich schicken Viertel mit Botschaften, Regierungsgebäuden wie dem Hotel Matignon und natürlich: Bon Marché, dem vielleicht edelsten Pariser Kaufhaus. Im einzigen kleinen Kino des Viertels, einem alten japanischen Tanzpalast "La Pagode" in der Rue Babylon hatte ich mich gerade zu einem französischen Filmnachmittag mit meiner Hochschulgruppe getroffen.
Anschließend beschloss ich das schöne Wetter für eine kleine Fotosafari durch die Gegend zu nutzen.

Bon Marché ist das Kaufhaus der reichen Damen von Paris. Mineralwasser für 35 Euro die Flasche (Marke: "Bling") gibts hier zu kaufen und natürlich alles was die modebewusste Pelz- und Hut-bekleidete Ministergattin wünscht. Ein Freund und Schuhverkäufer in selbigem Kaufhaus berichtete vor wenigen Wochen, dass auch Lionel Jospin, der "anders-erfolgreiche" Sozialist gelegentlich vorbeischaut - ganz ohne Bodyguards - bei Bon Marché ist man unter sich.

Direkt neben dem siebten Arrondissement liegt das sechste. Da wohne ich und da ist es schon ein klein bisschen weniger Chique. Derzeit haben wir ein Jazz-Festival im Viertel. Das knüpft an die Jazz- und Intelektuellen-Vergangenheit des sechsten, rund um den Boulevard St Germain an. Dieser Boulevard ist inzwischen alles andere als intellektuell und ebenfalls eher für gut betuchte Pariser Shopper ein Revier. Edmund White schreibt in seinem Buch über Paris zum Beispiel, es wäre ein bisschen so, "als hätte sich ein Beatnik-Balg im Erwachsenenalter zu einer eleganten und reichlich geistlosen Matrone entwickelt".

Weniger elegant ist, was passiert, als ich mich an die nächste Bushaltestelle setze und warte bis der Bus nach Hause kommt: Neben mir schläft ein Clochard den Schlaf der Gerechten, sein Alkoholvorat steht direkt daneben.
Ich schaue über die Straße, als ein kleiner, krummer Zwerg auf mich zugehumpelt kommt. Während um ihn herum der Verkehr braust hat dieser Zwerg ganz offensichtlich meine Bushaltestelle mit starrem Blick fixiert. Ganz langsam kommt er voran, steht schließlich direkt vor mir und dreht sich dann ohne ein Wort zu dem anderen Penner hin. Bückt sich, nimmt den Alkoholvorat des anderen an sich und humpelt wieder davon. Ich bin perplex. Da bestehlen sich die Penner gegenseitig ohne das leiseste Schamgefühl - offensichtlich vollkommen unbeeindruckt davon, dass ich daneben sitze und alles mit ansehe. Nun gut - ich muss zugeben, ich hab dann auch nix gesagt. Ich hab lieber mal ein Foto davon geschossen. Verkommene Menschheit!

Foto: Café Bourbon, direkt gegenüber der Assemblée Nationale im siebten Arrondissement. Schick und teuer und schlechter Service.

>> zum Fotoalbum mit: Sonnenbaden gegenüber dem siebten, Jazz und Penner im sechsten, teures im Bon Marché sowie das Kino "La Pagode" in einem alten japanischen Tanzpalast.

Sonntag, Mai 06, 2007

Franzosen zur Wahl!

Manchmal hat man das Gefühl in einem sehr kleinen Land zu wohnen: Bei den Wahlen zum nächsten Präsidenten müssen wir nur etwa 20 Minuten laufen um in der Rue de Solférino zu landen: Dem Hauptquartier der "Parti Socialiste".

Paris war heute in zwei Ufer aufgeteilt: Rive Gauche mit dem Hauptquartier der Linken und all den "militants", die davor auf die erlösende Botschaft um exakt acht Uhr warteten und auf der anderen Seite Rive droite: Dort auf dem Place de la Concorde würde später Sarkozy seinen Sieg feiern. Dass wir in der Rue de Solférino auf der Verliererseite stehen, wissen wir zunächst zwar nicht sicher, doch irgendwie ahnen es viele.

In Frankreich gibt es - um Beeinflussung zu vermeiden - bis exakt acht Uhr keine Angaben über den Stand der Wahlen. Doch Informationen von ausländischen Nachrichtensendern sickern durch: Es steht schlecht für die Linken und so ist die Stimmung vor dem großen Gebäude der Sozialisten in der Rue Solferino nur gedämpft euphorisch - die Hoffnung stirbt zuletzt. Wer in die Fenster des Hauses schaut und die vereinzelten Mitarbeiter der Sozialisten sieht, ist bestätigt in seinen negativen Vorahnungen.

Warum wir auf dieser Seite und nicht bei Sarkozy stehen? Nun - es ist näher, einige Freunde sind da und außerdem wäre es wirklich peinlich - falls Royal für die Sozialisten doch gewinnt - für den konservativen, männlichen Kandidaten gefiebert zu haben. Im Endeffekt können wir hier als Ausländer nicht wählen und fühlen uns mehr als "Beobachter" der Szene.
Die Straße füllt sich mit Jungsozialisten die Rosen und Plakate hochhalten. Aus jeder Richtung grinst einen Ségolène Royal von Bannern entgegen. Internationale Kamerateams gehen überall in Stellung.

Schließlich kriege ich Durst und laufe mit einem französischen Bekannten in Richtung Bierstand, wo für soziale 6 Euro halbliter-Becher Bier verteilt werden. Auf dem Weg laufen wir den Sicherheitsleuten von Strauss-Kahn in die Arme, der sich gerade den Weg durch die Menge bahnt. Der Mann, der sich nur flüchtig für "Merci-Merci" Rufe bedankt wäre Ministerpräsident geworden - hätte Royal gewonnen. Noch ist offiziell alles offen.

Als sich die magische Uhrzeit nähert, kurz vor acht Uhr, geht der Großbildschirm auf Sendung und überträgt die Stimmung aus den beiden Lagern. Jedesmal wenn die Kamera unsere Straße einfängt geht ein ohrenbetäubender Jubel los - zeigt das Fernsehen das Gegenlager gibt es laute Buh-Rufe.
Acht Uhr. Auf dem Bildschirm erscheint eine französische Fahne. Dahinter verbirgt sich das Antlitz des neuen Präsidenten - als die Fahne fällt ist es kurz, als hätte jemand schon wieder Kennedy erschossen.

Augenblicklich kippt die Stimmung. Buhrufe, Mittelfinger und Tränen wohin man schaut. Auch zwei aus unserer Gruppe können sich nicht mehr beherrschen und weinen hemmungslos während sie Rose und Mittelfinger weiterhin stoisch in die Höhe halten - ein gefundenes Motiv für die Fotografen.

Auch ich schieße fleißig Fotos - im Album kann man bis etwa zu Bild zehn noch hoffnungsvolle Gesichter sehen, dann greift die Verzeiflung um sich.

Die Stimmung bessert sich erst wieder als schließlich Ségolène eintrifft: Etwa eine halbe Stunde nach der Wahl bahnt sie sich erst den Weg durch die Masse und tritt dann auf den Balkon. Mit Durchhalteparolen und lobenden Worten - vor allem über den hohen Grad der Mobilisierung unter den Jugendlichen - kann sie die Stimmung wieder ein bisschen heben. Die Wahl hat sie verloren. Viele ihrer jungen Anhänger sind an sozialistische Niederlagen noch nicht so gewöhnt. Die Hauptakteure dieser Partei in Frankreich sind es mit Sicherheit.

Später am Abend ruft mich Daryl an, der mit uns in der Rue Solferino gewesen war und anschließend zu Bastille weitergefahren ist. Er hat Tränengas abbekommen, weil die extreme Linke die dort angesetzte Siegesfeier der Linken für ihre eigenen Motive missbrauchen wollte. Schon vor den Wahlen wurde davor gewarnt, dass im Falle eines Sieges für Sarkozy Unruhen ausbrechen könnten - die nächsten Tage werden zeigen ob die Befürchtung berechtigt war.

Foto: Ségolène präsentiert sich uns nachdem sie im Fernsehen bereits ihre Niederlage eingestanden hat.

> > hier gehts zum Fotoalbum

Freitag, April 27, 2007

Schwein in Paris

Morgens früh aus den Federn, auf der Suche nach dem nächsten Wochenmarkt ist mir jenes erste Foto dieser Reihe gelungen, wobei ich mir selbst auf die Schulter klopfte und dachte: "Das ist aber ein tolles Foto - in Paris werden früh morgens also noch Schweine auf Karren von Schlachter zu Metzger verbracht". Obwohl ich eigentlich keine Ahnung über die logistische Organisation zwischen Pariser Schlacht- und Metzgereibetrieben besitze kam mir diese Praxis irgendwie anachronistisch und doch mal wieder "typisch französisch" vor. Noch besser für das Foto!
Doch halt! Wieso sieht die Szene eigentlich so gespielt aus? Muss das ganze Schlachter-Team mit, wenn Schweine verlegt werden? Und was machen die anderen Fotografen da hinten eigentlich? Der ewige Zweifel stieg auf und nachdem ich mir zunehmend die Frage nach der Schweinehygiene stellte - insbesondere in Zusammenhang mit dem Hund der nun auftauchte und das arme Vieh zu gern aufgefressen hätte - beschloss ich mit der Kamera auf Bereitschaft zu bleiben. Die folgende Fotoserie zeugt davon, dass ich es kaum besser hätte treffen können: Nicht nur, dass das Schwein echt ist - es ist auch beliebt: Die Schlachter-Equipe lässt es duschen und an diesem schönen Pariser Freitag-Morgen an einem kleinen Gläschen teilhaben. Da wird man glatt (auch) zum Vegetarier. (Auf die Fotos klicken, um sie zu vergrößern.)

Sonntag, April 15, 2007

Funky Notre Dame

Bei der Planung einer sommerlichen "Tour de France" ist uns mal wieder aufgefallen, dass die Tour in französisch männlich, der Turm - der auf französisch ebenfalls "Tour" heißt - aber weiblich ist. Für einen Deutschen, der französisch lernt, ist diese glatte Vertauschung der Geschlechter auf eine perverse Art leicht zu merken. Schlimm geht es dem Engländer, der in beiden Sprachen zunächst mal fremd ist, selbst noch aus einer geschlechtslosen Sprache übersetzt und sich daher insgeheim fragt, warum Turm und Tour überhaupt Geschlechter haben sollen - und vor allem wo...

Anstatt viel Text gibts heute Funky Notre Dame in vier verschiedenen Farben. Ansonsten bin ich an meinem "Memoir" dran, womit ich nicht meine Erinnerungen an eine ganz besondere Kindheit meine, sondern vielmehr eine Semesterarbeit für die Uni.



Samstag, Februar 24, 2007

Wenn ein Auto vom Himmel fällt...

Der Autoverkehr in Paris ist berüchtigt. Aber nicht nur deshalb ist es ein Erlebnis einmal statt mit der Metro, mit dem Mietwagen durch die Lichterstadt zu "cruisen". Praktisch, wenn ein Pariser Freund zufällig mal einen Mietwagen zur Hand hat.

Unser Ausflug als Comic-Strip: (drauf klicken um die Bilder zu vergrößern)




Dienstag, Februar 20, 2007

Tier- und Menschversuche


Cité des Sciences im Park de la Vilette ist ein Museum moderner Zeiten. Nicht leblose Kunst, sondern unser aller Wohlergehen werden ausgestellt. Die Ausstellung mutet erst etwas wirr an - von Energiequellen der Zukunft und der guten alten Mirage mit A-Bombe ist da die Rede. Genauso wie von unserem Hörorgan und den verschiedenen Jodeltechniken in den Alpen. Das Gesamtkonzept scheint allzu umfassend angelegt.
Doch langsam freundet man sich mit der "Mitmach-Philosophie" des Museums an. In der einen Ecke schießt man selbst Raketen in Richtung Museums-Decke, während gegenüber virtuell Schlagzeug gespielt werden kann.
Der Besucher soll lernen. Verschiedene Ausstellungen beschäftigen sich mit Ökodesign und dem weitergehenden Raubbau an der Natur oder auch mit den neuen Tunneln durch das schöne Alpenpanorama. Eine Ecke weiter "beschwert" sich ein "Besucher" bei der Museums-Führung über die Entführung seiner Frau durch Außerirdische.
Die weißen Mäuse in der Abteilung "Gentechnologie" kümmert das alles nicht. Wenn sie nicht schlafend in einer Ecke ihres Käfigs liegen, sind sie gemütlich in Plastik gegossen und sehen nur fast aus, als lebten sie noch...
Die leicht verrutschten Augen starren dabei direkt auf einen großen Glas-Krug mit nackten Plastik-Babys. Ein bisschen Wissenschaft vereint mit viel Eindruck.
Es ist am Ende nicht ganz klar, ob sich der interessierte Besucher eher in einem Vergnügungspark befindet oder in einem Museum. Im Flugsimulator lernt man eben mal unter Anleitung das Führen einmotoriger Kleinflugzeuge während man sich ein Stockwerk tiefer einer perspektivischen Besucher-Verarschung ausgesetzt sieht. Die Erklärung für das scheinbare Schrumpfen, Schweben oder Verschwinden wird nachgeliefert - das Entertainment ist dem Besucher doch meist wichtiger - und das allein lohnt den Besuch.

Foto: Da fühlt sich der Besucher doch gleich ganz schuldig. Wohin er nur sieht: Weltuntergang.

Mehr Bilder gibts > hier

Samstag, Februar 10, 2007

Einige Amerikaner in Paris: Ballett


Ich war zum ersten Mal in einem Ballett. Das American Ballet Theatre ist im Theatre Châtelet zu Gast und ein Freund ist auf der richtigen Uni, um billige Karten zu beschaffen.

Für fünf Euro stehen wir also in unseren feinen Sachen bald zwischen Leuten, die sich noch viel feinere Sachen leisten können - vor dem Theater. Die Damen in Pelz und Zentnern Schmuck, die Herren mit eleganten Anzügen aber meist ohne Hut. Ein Kleinbus kommt herangefahren, hält direkt vor dem Eingang des Theaters und spuckt eine Traube gut gelaunter schwarzer Amerikanerinnen aus. Diese Damen tragen ihren wohl verdienten Reichtum am offensichtlichsten zur Schau, unter ihnen ist eine Hollywood-Schauspielerin (wie Lee zu erkennen glaubt) und ihre dicke Freundin, die immerzu lacht und später im Saal quer über drei Stühlen liegt um mit "ihren Mädels" zu tratschen.

"Das ist die Filmmutter von Lindsay Lohan, als die durch einen chinesischen Glückskeks die Persönlichkeit tauschen" argwohnt Lee - muss später aber einsehen, dass Lindsay Lohan genauso weiß ist, wie ihre Filmmutter. Aber - wir werden die Damen aus Hollywood noch identifizieren.

Drinnen im Saal geht es golden zu. Auf sechs Stockwerken gibt es Ränge, von fast überall hat man einen ziemlich guten Blick auf die Bühne. Jedes Stockwerk hat opulent verzierte Balkone und samt-rot bezogene Klapp-Sessel. Im Orchestergraben bereitet sich das Orchester vor.

Dann geht das Licht aus, die Dicke wuchtet sich auf ihren ureigensten Platz zurück und das Murmeln erstirbt. Das erste Stück - Mozart - ist (für meinen ungeübten Kennerblick) sehr klassisches Ballett.
Viele kleine Mädels im Tütü tippeln fast perfekt synchron zur sehr schönen Musik. Doch das Ballett ist nicht lautlos. Das tippeln hört man ziemlich deutlich. Ich weiß nicht ob das so sein soll, aber ich finde es ein bisschen störend.
Dann kommt der einzige Mann in diesem ersten Teil auf die Bühne. Zuerst glaube ich, es handelt sich um einen glücklichen Gewinner aus dem Publikum, denn sein Part beschränkt sich zunächst auf gönnerhaftes Zusehen, Kopfnicken und Arme strecken. Er darf die Damen an den Hüften berühren, muss sich selbst aber nicht so sehr anstrengen. Erst gegen Ende gibt er eine kurze Kostprobe seines Könnens und zeigt dem Publikum sein gewaltiges Hinterteil.

Der zweite und dritte Teil übertreffen den ersten Teil sogar noch. Im Zweiten (Mahler - Kindertotenlieder) singt ein Tenor auf einer Bank sitzend, während die toten Kinder (es geht wohl um ein Fischerdorf, das der Sturm heimgesucht hat) ihr Ballett aufführen. Hin und wieder wird das Theater dumpf erschüttert, wenn die Metro unter dem Gebäude hindurch fährt.
Zum Schluss wird es amerikanisch-athletischer: Eine ganze Wagenladung Ballerinas und einige durchaus gut gebaute Tänzer begeistern den Saal. Zur "Minimal Music" von Philip Glass wird der Tanzstil stetig schneller und artistischer und kurz bevor der Bühnenboden nachgibt hört es auf und die Show ist gelaufen.

Und danach erstmal zum Pizzahut um wieder von dem ganzen Luxustrip herunter zu kommen.

Fotos: Das Theater Châtelet mit der Metro im Keller und: Ein Album von schwarz-weiß Bildern, dass ich eigentlich schon beim vorletzten Post online stellen wollte.

> zum Album

Samstag, Januar 20, 2007

Fahrt in die Bäder!


In den letzten Tagen ist über weite Teile Europas ein großer Orkan gezogen. Auch in Paris, im siebten Stock an unserem Fenster, hat es ziemlich gerappelt. Allzu schlimm ist es aber nicht geworden.
Ganz zufällig hatten wir schon länger zuvor für den Tag nach dem Orkan eine Fahrkarte nach Dieppe an den Ärmelkanal gelöst und so war zu hoffen, dass zumindest noch ein paar Wellen zu sehen sein würden.
Diesen Trip aufs Land hatte ich schon länger vor, einfach um mal wieder das Meer zu sehen und ein bisschen aus der Stadt heraus zu kommen. Spazieren gehen, mal was anderes riechen - diese bodenständigen Motive hatten mich zu der Reise animiert.
Der Zug fuhr durch eine sehr grüne Gegend, herrschaftliche Anwesen waren entlang der Strecke zu sehen, aber auch recht ärmliche Bauerndörfer, Kuh- und Schafweiden. Nach zwei Stunden Fahrt ab dem Bahnhof St Lazare hatte sich nicht nur die Landschaft deutlich verändert. Auch das Publikum im Zug wurde merklich ländlicher. Nachdem Lee und ich den Bahnhof in Rouen verlassen hatten saß uns gegenüber ein mittelalter Herr, der das Tuten der Eisenbahn immerfort nachahmte und dabei seinen nassen Hund auf dem Schoß streichelte. In der Sitzreihe hinter uns klingelte ein Handy mit Kuhgeräuschen als Klingelton.
Dieppe im Januar ist ziemlich ausgestorben. Während die Stadt im Sommer vor allem von Badegästen aus dem nahen Paris überlaufen wird, sind an diesem Tag außer uns nur wenige Passagiere bis an die Endstation gefahren. Der Hafen mit seinen Fischkuttern und den Seefrüchte-Restaurants am Kai liegt verlassen da.
Ohne Schwierigkeiten finden wir eine günstige Unterkunft und machen uns an die Erkundung der Ortschaft. Zum ersten Mal seit langem esse ich wieder Moule-Frites in einem der Fischrestaurants am Hafen.
Zu beiden Seiten der Stadt erheben sich steile Kliffs. Nach Osten steht auf dem Kliff, hoch über dem Meer, die Kirche zum Schutze der Seemänner und nach Westen eine kleine Burg. Dazwischen liegt die Strandpromenade mit ihrem Kiesel-Strand und der Hafen mit Fährverbindungen nach England. Die Luft ist salzig und an der Hafeneinfahrt weht ein starker Wind.
Große Brecher laufen auf die Mole auf und während ich versuche Bilder zu machen, werden wir ziemlich nass. Freunde von uns hatten kürzlich in Paris einen Schirm in unserer Wohnung liegen lassen. Nicht etwa um uns vor Regen zu schützen, sondern viel mehr um die Windstärke zu testen und lustige Fotos zu schießen haben wir ihn mitgenommen.
Am Abend wird es richtig dunkel. Nicht nur so dunkelgelblich wie am Pariser Nachthimmel sondern rabenschwarz. Wir finden schließlich ein kleines Restaurant in einer der Gassen etwas abseits vom Hafen, das trotz der Jahreszeit geöffnet hat. Undenkbar in Paris, aber hier können wir uns tatsächlich ein Restaurant leisten - um den Preis sehr neugieriger Blicke der einheimischen Stammkundschaft.
Das Meer bei Nacht, noch immer recht stürmisch, erinnert an kochende Milch - so weiß ist es im Kontrast zum schwarzen Himmel. Ein Angler sitzt allein in der Dunkelheit und hat seine Angelschnur in die hohen Wellen geworfen. Wenige Meter von der Küste entfernt schaukeln die schlafenden Möwen in der See - unbeeindruckt vom turbulenten Seegang.

Am nächsten Nachmittag geht unser Zug zurück "nach Hause". Das Landleben ist ruhig und erholsam, unser kleiner Auflug hat uns sehr gefallen. Doch auf lange Frist wäre es vielleicht ein bisschen trist geworden. In einer Hafenkneipe haben wir zu Mittag gegessen. Da sitzen die Leute in unserem Alter und machen den ganzen Tag garnichts - außer Lotto spielen, Kaffee trinken und mit dem Barmann quatschen. In Dieppe wird man entweder Fischer oder Wirt. Vier Stunden später versinken wir wieder in den Menschenmassen der Metrostation von Paris St-Lazare.

Fotos: Oben: Ankunft in Dieppe, Endstation - hundert Meter weiter beginnt der Ärmelkanal.
Unten: Eine Bildserie mit großer Welle (drauf klicken um besser zu sehen).

Außerdem: Eine Fotogalerie zu Dieppe gibt es > hier.


Montag, Dezember 25, 2006

Paris im Bilde

Zu Weihnachten noch ein paar Bilder aus Paris. Das eine Album ist eine kleine Sammlung von "hübschen" Fotos aus dem Marais, der zweite Link sind ungeordnete Fotos der letzten Monate. Unter anderem sind einige Bilder über das Ausländerviertel rund um den Ostbahnhof dabei aber auch einige der Gestalten, die ich in der letzten Zeit in Paris getroffen habe.

> Marais-Fotos

> Querbeet-Fotos

Und weil Weihnachten ist: Noch ein bisschen sehr französische Musik von Anais.

Dienstag, Oktober 31, 2006

Paris im Herbst


Am Sonntag habe ich die Zeitumstellung fast verschlafen. Erst die Radiofrau hat mich abends so gegen sieben darauf aufmerksam gemacht, dass es doch erst sechs Uhr ist.

In Paris wird es endlich auch Herbst, man hat ja lange genug darauf gewartet. In den letzten Tagen war es immernoch regelmäßig über zwanzig Grad warm und die Bäume fast alle noch grün. Doch jetzt, wo es plötzlich bedeutend früher dunkel wird, nähert sich der Winter mit Macht.

Gestern war ich mit einem Freund entlang der Seine unterwegs und habe ein paar herbstliche Fotos gemacht, die ihr gleich heute als neue Fotogalerie geliefert bekommt. Mit Pullover konnte man sich auch noch gemütlich in die Parks setzen.

Foto: Eine riesige Terasse im zwanzigsten. Und dazu ein riesiger Abendhimmel.

> Zur Fotogalerie.

Sonntag, Oktober 29, 2006

Ein paar Bilder






Ich habe es offensichtlich geschafft, schonmal zwei Alben mit Bildern online zu stellen. Es war ein langer Kampf, aber nach einem Reigen lustiger Fehlermeldungen bin ich durch!

Hier gehts nochmal ins "Maxime"

Und hier ein paar meiner persönlichen Pariser.

Ich habe nicht von allen meinen Parisern Fotos, und von manchen mehr als von anderen. Aber mit der Zeit versuche ich eine möglichst vollständige Sammlung anzulegen. Nur Geduld.

Hier noch ein kleines Filmchen, das mir ein Freund auf Youtube empfohlen hat. Ein kleiner Einblick in die Stimmungslage in den (nördlichen) Banlieues.