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Donnerstag, Juni 07, 2007

Der große Abschieds-Artikel


Semester-Abschiedsparty der englischen Universität. Die Party findet auf einem Schiff auf der Seine statt. Das Wort "englisch" steht in diesem Zusammenhang natürlich für ein sehr trinkfreudiges Völkchen, umso mehr, da auf dieser Party der Alkohol umsonst ist. Für den Eintritt soll man dagegen satte 35 Euro zahlen, für die meisten Kinder aus reichem Hause auf dieser kleinen aber exklusiven Uni ist das aber offensichtlich kein Problem. Ich selbst und auch mein Mitbewohner gehören nicht ganz in diese Kategorie und ziehen es vor, uns unbemerkt an Bord zu schleichen.

Für eine Pariser Party ist der Schwarzen-Anteil mit null hier ungewöhnlich gering. Aber englische Universitäten sind keine Bildungseinrichtung für die (bunte) Masse, sondern ein eher elitäres (weißes) System, dass natürlich auch mit einem vollkommen anderen Schlag von Studenten einhergeht. Hier studiert man konservativ, Werte-orientiert und mit einem ordentlichen Vermögen im Rücken (es sei denn man ist durch sehr gute Leistungen aufgefallen und genießt ein großzügiges Darlehen). Ein krasser Gegensatz zu den eher links orientierten Studenten in Deutschland, die in der Masse zwar oft ähnlich unsympathisch, dafür aber mit einem starken Sinn für Gerechtigkeit in aller Welt ausgestattet sind. Hier ist man vielmehr offen elitär.

Für die nicht gezahlten 35 Euro bekommen wir dann auch sehr viel "Englishness" geboten. Während der DJ im Rumpf der Barkasse bereits rotiert, stehen die jungen Mädels in ihren Ballkleidern und die jungen Herren mit Frack und Schlipps doch eher passiv da. Hier sieht wirklich jeder soo Englisch aus. Die Stimmung kommt erst langsam mit dem Alkohol.
Dann lösen sich die Herren langsam aus ihren distinguierten Konversationen mit Zigarre und diesem unwiderstehlichen, aber leicht gekünstelten Lachen (hust hust), das sie sich sicher von ihren Vätern, den Lords ihrer Majestät abgeschaut haben, und wagen sich an die ebenfalls scheuen, Rehkitz-gleichen (hust hust hust) Damen heran, die ihrerseits von verzücktem Gelächter erröten und ihre junge, erst neunzehnjährige, doch ach so weiße und sehr englisch-proportionierte Hand dem Herrn entgegenstrecken.

Das Ende des Abends versinkt dann im grauen Dunst.

Am Montag gab es Noten im Französisch-Kurs. Wir hatten eine Klausur mit vier Seiten zur Frage "Qu'est-ce qu'un acteur?" geschrieben und sollten nun, bevor wir die Noten bekämen, über unsere eigene Leistung im letzten Semester resümieren. Nachdem alle recht schüchtern erklärten, dass sie teilweise ganz zufrieden wären aber teilweise auch nicht genug geleistet hätten, war ich an der Reihe.

Ich hatte das unbestimmte Gefühl, dass meine Klausur nicht sonderlich verlaufen war und beschloss daher, nochmal zu versuchen das Ruder herumzureißen. Also begann auch ich erstmal mit einem kurzen Abriss über meine guten Leistungen. Aber dann, anstatt meine Schwächen zu betonen, fing ich an den Professor und seine Kursleitung zu kritisieren. Ich erklärte, dass ich mit seinen Hauptargumenten unserer über das Semester geführten Diskussion überhaupt nicht einverstanden wäre. Ich beschuldigte ihn, uns lediglich beweisen zu wollen, dass früher alles besser gewesen wäre und das seine Beweisführung absolut unzulässig wäre, weil er da ja Äpfel und Birnen vergleiche. Nach dem ich so ein paar Minuten vor mich hin argumentiert hatte unterbrach mich der Lehrer, erklärte "ja an Sie erinnere ich mich recht gut" und gab mir einen Extrapunkt. Ich beendete den Kurs mit der besten vergebenen Note.

Das war mein Jahr in Paris. Es ist noch nicht ganz zuende, doch die letzten zwei Wochen werden undokumentiert bleiben - nur ein paar Kleinigkeiten vorweg vielleicht: Ich muss noch einmal an die Uni: Meine Abreisebestätigung und die grandiose Liste mit all meinen belegten Kursen im Sekretariat abholen. Dann werde ich auch noch ein letztes Mal nach Creteil fahren, der freundlichen arabischen Bäckerin auf Wiedersehen sagen und meine Konto-Angelegenheiten mit meiner verhassten Bank (BNP-Paribas, damit alle gewarnt sind. Schlimmer ist nur noch Credit Lyonais) regeln.

Noch einmal werden am nächsten Wochenende fast alle meine Freunde aus der Zeit in Paris hier versammelt sein (zum Beispiel die im Bild oben). Diejenigen, die bereits abgereist waren, haben sich noch einmal für ein Wochenende angekündigt. Dann kommen noch drei Tage ausziehen und aufräumen und schließlich geht es wieder in Richtung Osten, ins Land der aufgehenden Sonne...

Nein - ich vergehe nicht vor Abschiedsschmerz. Ein bisschen traurig ist es aber schon. Schon allein, weil in der Heimat erstmal wieder lernen angesagt sein wird - ich habe genau 40 Tage um mich auf die nächsten Klausuren vorzubereiten. Dann, im Sommer werd ich wieder hier sein, in Paris warten noch mein Mitbewohner und meine alte Wohnung auf mich.

Bis dann. Und Danke für die Aufmerksamkeit!

Montag, Mai 14, 2007

Formvollendet Vorgeführt

Am Freitag hatte ich meine Klausur in "Politique du Développement" und dachte anschließend eigentlich, für eine kleine Weile nun meine Ruhe zu haben. Die Klausur war gut verlaufen. Nur der Professor war etwas verärgert, weil ihm offensichtlich jemand Aufgabenblätter entwedet hatte, die später auf der Toilette wieder auftauchten. Wir bekamen also eine neue Aufgabe und hatten dann zwei Stunden Zeit, eine Fragestellung und schlüssige Argumentation (inkl. aus dem Kopf zitieren) aufzusetzen.
Anschließend fuhr ich nach Hause, legte mich aufs Sofa und - bekam eine Nachricht aufs Handy:
"La soutenance de votre memoir sera lieu le lundi à 12 heures." hatte mir da eine Dame aus dem Instituts-Sekretariat auf den "Repondeur" gesprochen. Meine was? Meine Verteidigung?

Ach ja mein Memoir. Ich dachte eigentlich die 27 Seiten hätte ich hinter mir. Doch nein: Eine kurze Anfrage bei meinem Professor ergab bald, dass es um eine kurze Präsentation meines Memoirs und eine anschließende Diskussion gehe. Eine weitere kurze Mail verriet mir, ja, auch ein Projektor sei vorhanden, einer Powerpoint-Präsentation stehe nichts im Wege.

Somit war meine Wochenendplanung weitgehend festgelegt und ohne wirklich zu wissen, was mich erwartet bereitete ich mich auf eine Präsentation meiner Arbeit vor. Wird der Vortrag öffentlich sein? Darf jeder mitdiskutieren? Was muss ich anziehen? Ich beschloss mir selbst nicht allzuviele Fragen zu stellen und fuhr dafür am Montag Morgen einfach etwas früher an die Uni. Ich wollte sehen, wie sich die anderen Studenten schlagen würden.

Vor dem "Salle Keynes" saßen bereits zwei Studentinnen, eine davon erkannte mich auch sofort und wir verglichen unsere Präsentationen. Soweit ich mich umsah war ich der einzige mit fertiger Powerpoint-Präsentation und auch der einzige mit ordentlichem Hemd. So schlimm würde es also nicht werden.

Andere Studenten kamen hinzu, gelegentlich trat der Professor aus dem Tagungszimmer und rief den nächsten Kandidaten auf. Eine der wartenden Studentinnen war offensichtlich sehr nervös. Sie hatte "Rescue-Spray" ("alles pflanzlich") dabei, um ihrer Nervösität Herr zu werden. Ihr Zustand verschlechterte sich, als sie 10 Minuten vor ihrem Auftritt feststellte, dass ihr Spray alle war.

Einen gewissen Grund für Nervosität konnte auch ich ausmachen: Vor mir waren 3 Studentinnen an der Reihe - alle drei fielen durch, mussten ihre Arbeit in einem Monat in neuer Fassung noch einmal einreichen.
Schließlich war ich an der Reihe. Ich nahm mir beim eintreten fest vor, die Spannung der Situation sofort ein bisschen aufzulösen: "Wie wars in Vietnam, Herr Professor?"

Die Taktik funktionierte recht gut. Ein kurzer Plausch über beeindruckende Erfahrungen in Asien und anschließend ging es ein bisschen zu wie beim Videoabend zuhause. Ich startete die Präsentation während wir beide zurückgelehnt auf unseren Stühlen saßen und der Professor gelegentlich Zwischenfragen stellte.

Die ganze Präsentation lief gut, in der geplanten Zeit, und nur aufgrund von etwas komplizierteren Zwischenfragen verfiel ich zwei oder dreimal kurz ins Englische - für den Professor auch kein Problem. Schließlich diskutierten wir noch ein paar Minuten über einige Punkte und der Professor erklärte mir was er noch gerne hinzugefügt hätte.
Alles in allem zeigte er sich aber durchaus sehr zufrieden, vor allem die Form und Präsentation hatten ihm gefallen. Er speicherte sich meine Präsentation ab um später seinen Studenten zu zeigen, wie es richtig geht.

Als wir fertig waren war ich auch hochzufrieden und fühlte mich sehr erleichtert. Bis genau zu dem Zeitpunkt, an dem Professor Najman interessiert nachfragte: "und haben sie auch sonst viel geschafft, im letzten Semester?" Einem durchschnittlichen Erasmus-Studenten muss an dieser Stelle ein bisschen heiß werden.

Foto: Auch sehr heiß: Die letzten Nächte in Paris. Inzwischen ist der Ärger der Linken aber ziemlich verglüht, genau wie dieser Kleinlaster, den Florian und ich am Marais gefunden haben.

Montag, April 30, 2007

Französisch lernen (6)

Heute: Kleiner Sprachführer für Schaffner

Vom 10. Juni an pendeln TGV und ICE zwischen Paris und Frankfurt und Stuttgart. Deutsche Schaffner werden bis nach Paris fahren. Zurzeit besuchen sie Französischkurse. Falls das dort Geübte nicht ausreicht, hier ein paar Standardsätze zum Auswendiglernen:

Unser Team im Zugrestaurant erwartet Sie. - Notre équipe vous attend au bistro.

Personalwechsel. Die Fahrkarten, bitte. - L'équipage a changé. Les billets, s'il vous plaît.

Die elektronische Reservierungsanzeige ist leider ausgefallen. Wir bitten Sie, Fahrgästen mit einer Platzreservierung den Platz freizumachen. - La signalisation électronique à bord du train est tombée en panne. Nous vous prions de céder votre place aux personnes ayant reservé une place.

Nein, das Wochenendticket ist hier nicht gültig. - Non, le billet tarif week-end n'est pas valable dans ce train.

Es tut mir leid, ich bin nicht verantworlich für das, was die Kollegen in Frankreich gesagt haben. - Je suis désolé, je ne suis pas responsable pour ce que les collegues en France ont dit.
(aus der ZEIT vom 19. April 2007)

Donnerstag, April 19, 2007

Französisch lernen (5)

Heute: "Merci professeur !"
Während die Akzent-Diskussionen munter weitergehen (wer klingt am französischsten? Derzeit liege ich ganz gut im Rennen) ist es Zeit, für ernsthaftere Fragen zur französischen Sprache eine echte Kapazität hinzuzuziehen.

So ist mir zum Beispiel zu Anfang meines Aufenthaltes ein kleines - von allen Seiten wohl ignoriertes - Malheur passiert: Zum Essen bei einer befreundeten Familie eingeladen kam das Gespräch auf "Küssen". Das alte französische Wort dafür - und nur dessen konnte ich mich in diesem Moment entsinnen - ist "baiser". Oder war es nicht so? Kurz mal in die Runde nachgefragt erntete ich ein kurzes Schweigen und dann die Bestätigung: "Ja natürlich, ist schon recht..."

Tatsächlich sagt man zu küssen heute aber "embrasser" - das Wort "baiser" hat dagegen eine leichte Bedeutungsverschiebung, hin zum horizontalen "ficken" erfahren. Und während man sich bei jenem Abendessen wohl eher aus der Verlegenheit herausmanövrieren mochte und mir eine Peinlichkeit ersparte, hätte es der "Professeur" sicher richtig gestellt.

Der "Professeur" heißt eigentlich
Bernard Cerquiglini und hat einen Vertrag bei TV5. Er tritt auch auf einer eigenen Seite im Internet auf. Die Folge über baiser und embrasser ist da genauso zu finden, wie eine Episode über das so bekannt klingende "le vasistas". "Vasistas" ist eine Art Lüftungsflügel an Fenstern und Türen und jeder Ostfranzose weiß, warum es der deutschen Frage "Was ist das?" so ähnlich sieht. Oder glaubt es zumindest zu wissen - die Antwort gibt der "Professeur" - hier.

Sonntag, April 15, 2007

Funky Notre Dame

Bei der Planung einer sommerlichen "Tour de France" ist uns mal wieder aufgefallen, dass die Tour in französisch männlich, der Turm - der auf französisch ebenfalls "Tour" heißt - aber weiblich ist. Für einen Deutschen, der französisch lernt, ist diese glatte Vertauschung der Geschlechter auf eine perverse Art leicht zu merken. Schlimm geht es dem Engländer, der in beiden Sprachen zunächst mal fremd ist, selbst noch aus einer geschlechtslosen Sprache übersetzt und sich daher insgeheim fragt, warum Turm und Tour überhaupt Geschlechter haben sollen - und vor allem wo...

Anstatt viel Text gibts heute Funky Notre Dame in vier verschiedenen Farben. Ansonsten bin ich an meinem "Memoir" dran, womit ich nicht meine Erinnerungen an eine ganz besondere Kindheit meine, sondern vielmehr eine Semesterarbeit für die Uni.



Donnerstag, Februar 01, 2007

Französisch lernen (4)

heute: Prononciation

1. Un chasseur sachant chasser doit savoir chasser sans son chien.

2.
Les chaussettes de l'archiduchesse sont elles sèches, archi-sèches ?

3. Napoléon, cédant Sedan, céda ses dents.

Freitag, Januar 12, 2007

Prüfung geschafft


Meine wichtigste Prüfung am Ende des ersten Semesters in Paris war Economie du Développement. Aber obwohl es sich hier um eine Uni handelt, würde ich den Schwierigkeitsgrad eher im Bereich einer normalen Oberstufen-Klausur an der Schule ansiedeln. Ein paar Stunden in der Institutsbibliothek und einige Mitschriften von Kommilitonen reichten aus, um mit einem angemessen sicheren Gefühl am Prüfungstermin vor dem Saal 103 aufzulaufen.

Die Mitschriften von französischen Kommilitonen sind noch immer ergiebiger als meine eigenen, da es doch noch immer gelegentlich zu Lücken kommt. Kein Wunder, wenn ich versuche gleichzeitig französisch zu verstehen, Fachwörter ins Englische zu übersetzen, dabei selbst gelegentlich noch auf deutsch denke und auch noch System in die Niederschrift bringen will. Ich bin also in einem babylonischen Sprachwirrwarr gefangen, außerdem in einem französischen Organsiations-Chaos : Meine Prüfung beginnt mit einer Stunde Verspätung und sieht vollkommen anders aus als angekündigt.

Unser Lehrer hatte erklärt, er verlange von uns ein Essay zum Thema, er unterfüttere uns zu diesem Zwecke lediglich mit Graphen, einigen Statistiken und vielleicht einem kurzen Zeitungsartikel. Fragestellung, Aufbau der Argumentation und so weiter oblägen demnach unserem Gusto. Am Ende bekamen wir eine vollkommen ordinäre Klausur mit ordinären Fragen zu Harrod-Domars Wachstums-Modell und Ähnlichem vorgesetzt. Nicht unbedingt schwer, aber doch viel langweiliger.

Nach getaner Arbeit habe ich das abgeschlossene Semester im Pariser Mix-Club mit einigen Freunden ausgiebig gefeiert. Viele meiner Kommilitonen fahren schon nach diesem ersten Semester wieder nach Hause. Die meisten von ihnen sind froh darüber. "Ich muss endlich mal wieder weiter kommen mit meinem Studium" ist ein gängiges Argument. Und natürlich vermissen viele ihre Freunde und die Familie zuhause. Die kürzlich zuende gegangenen Weihnachtsferien scheinen das Heimweh bei vielen noch verstärkt zu haben. Mir selbst geht es gar nicht so. Ich wollte noch lange nicht wieder nach Hause. Was sollte ich jetzt in Mainz? Einfach weitermachen wie zuvor? Gerade habe ich mich richtig bequem in Paris eingerichtet - das möchte ich auf jeden Fall so lange wie möglich weiter auskosten.

Auch was die Sprache angeht, habe ich nicht das Gefühl, dass ein halbes Jahr ausreicht. Ich verstehe inzwischen zwar das allermeiste, habe keine Probleme mehr fern zu sehen oder Radio zu hören. In der Regel kann ich mich auch selbst ganz gut verständlich machen. Doch ich glaube, dass ich vieles sehr schnell wieder verlieren würde, und dass das bisher gelernte noch lange nicht ausreicht um zufrieden zu sein. Das Gefühl teilen viele, die jetzt wieder nach Hause fahren. Eine Sprache lernt man nicht in einem halben Jahr.

Foto: Gesellschafts-Eislaufen unterscheidet sich vom Eis-Kunst-Lauf durch das Fehlen atemberaubender Figuren und Sprünge, zeichnet sich dafür aber durch das gemütliche dahingleiten aus, das zu sozialer Kontaktpflege genutzt werden kann. Auch ein kleines Päuschen bei mitgebrachter Mousse au Chocolat ist durchaus erlaubt.

Donnerstag, Dezember 14, 2006

Éco du Développement


Heute hatten wir das vorletzte Mal vor den Weihnachtsferien "Economie du Développement". Das Fach gefällt mir ganz gut, schon von Haus aus und bei Monsieur Najman ist es auch immer recht anschaulich. Der Vorteil ist vielleicht, dass unsere Uni in Creteil liegt, in einer Stadt also, die schon länger eng mit der Entwicklungsproblematik Nordafrikas eng verbunden ist.

Will heißen: Wir haben Informationen aus erster Hand und wenn wir für ein Rechenbeispiel gerade mal die aktuellen Preise für Hühnchen auf dem Markt von Dakar im Senegal brauchen, fragt Herr Najman einfach einen afrikanischen Studenten aus dem eigenen Kurs. Auch wenn es um die Migrationsproblematik in der Straße von Gibraltar geht oder um die Kosten für Visa in Europa - in der Klasse ist jede dieser Erfahrungen schon dagewesen. Es ist auch tatsächlich eines der wenigen Fächer an der Uni, in dem man rege Mitarbeit zumindest einiger Studenten beobachten kann.

Monsieur Najman ist immer sehr bemüht, seine Schülerschaft zu motivieren, doch mit seinen französischen Tugenden - zu spät ankommen und lange Pausen - macht er seinen eigenen Mühen gelegentlich einen Strich durch die Rechnung. Von Zeit zu Zeit wird die Stunde auch zur Erzählrunde, wenn von den speziellen Schwierigkeiten junger Frauen im Maghreb die Rede ist oder die aktuelle Presse Anekdoten zum Thema beisteuert.

Heute habe ich mir in der Bibliothek die Modelle von Harrod Domar und Solow nochmal angesehen, die wir auch schon in unserem Kurs behandelt haben. Das Buch, das ich dafür benutze ist, wie die meisten in diesem Fach, in englisch geschrieben - für viele Franzosen in unserem Kurs ein Problem. Und so geht auch noch etwas mehr Unterrichtszeit nach der Zigarettenpause drauf, wenn Monsieur Najman das Wort "household" nochmal buchstabieren soll.

Einem Verfall der Disziplin unter den ausländischen Studenten versuchen indes die zwei Mädels aus dem Delcife-Büro zu verhindern. Jedesmal wenn man hereinkommt, wird man erstmal schief angeschaut. Dann wird man an die verantwortliche Stelle verwiesen als ob man das längst wissen müsste. Als nächstes wird die Unordnung in den mitgebrachten Unterlagen bemängelt ("Da ist ein Blatt von der Immatriculation pédagogique unter den Unterlagen der Fremdsprachenkurse - junger Mann - c'est un bordell!"). Bei den Mitstudenten, deren Französisch noch etwas schwächer ist, wird erstmal extra schnell gesprochen - und generell sind keine Plätze in den Kursen mehr frei.
Erst etwas später im Semester findet man heraus, dass die beiden Mädels eher zum Selbstzweck existieren, da frei nach französischer Mentalität jegliche Organisation in der Praxis ohnehin über den Haufen geworfen und jeder nachkommende Student doch noch in den Kurs aufgenommen wird.

Foto: Nachtrag zur Königsdebatte vom letzten Eintrag: Ist da nicht ein klein wenig Königlichkeit in diesem Gesicht? Florian mit einer Ausgabe von "Florian et le petit prince".

Montag, November 13, 2006

Beschwerden


Unsere Französisch-Lehrerin in meinem Grammatik-Kurs hat sich über das niedrige Niveau unseres Jahrgangs beschwert. Der Lehrer im Informatiklabor hat sich gleich im Allgemeinen über dieses Hundeleben in Paris und Umgebung beschwert und angekündigt sich für das nächste Jahr in den Ruhestand und in die Bretagne abzusetzen.
In einer persönlichen Unterhaltung mit ihm, um die ich sicher nicht gebeten hatte, erklärte er mir später, dass er bereits vor Jahren den Liegeplatz für sein neues Boot reserviert hat, da die Wartezeit für einen Liegeplatz in einem südbretonischen Hafen derzeit acht Jahre beträgt. Wir könnten auch gerne mal vorbei kommen und von seinen gefangenen Fischen probieren.
Aber zurück zur Kritik meiner Französisch-Lehrerin. In meinem Grammatik-Kurs schreiben wir jede zweite Stunde eine Klausur und in der ersten dieser Klausuren habe ich denkbar schlecht abgeschnitten. 11,3 ist eine Note etwa auf halber Strecke zur 20, was in Frankreich die Bestnote darstellt. Und das, obwohl ich augenscheinlich einer der besten französisch-Sprecher dieser Klasse bin. Zugegeben - Grammatik-Regeln waren noch nie meine Stärke. Wenn ich spreche kann ich mich in vielen Fällen bereits auf mein Gefühl verlassen, nicht aber bei den Sätzen, die es in der Klausur zu bilden galt.
Inzwischen kann ich bei einem Gespräch zwischen Franzosen (etwa wenn ich, wie anfang der Woche von Arnaud zu Freunden mitgenommen werde) ganz gut mitmachen und habe auch immer weniger Probleme mich auszudrücken. Der Wortschatz wächst mit einer gewissen Geschwindigkeit und auch das Sprachgefühl stellt sich ein. Aber wie gesagt - nur wenn ich mir selbst aussuchen darf in welcher Weise ich formuliere. Offenbar umgehe ich dabei automatisch hinterhältige "dont"-s und ähnliche Formulierungen. Daher habe ich mir jetzt erhöhte Aufmerksamkeit verschiedenen Grammatikthemen gegenüber verschrieben. Mal schauen, ob also diese Woche meine Klausur ein bisschen besser ausfällt.

Foto: Demnächst in diesem Blog: Mein Kurzurlaub in Warschau - Schlangestehen wie damals? (Tatsächlich eher: Schlangestehen vor dem Louis-Vuitton-Store auf den Champs Elysées.)

Dienstag, Oktober 24, 2006

Ein Konto bei der Weltbank


Heute Morgen hieß es früh aufstehen: Die Filiale der Weltbank in Paris lud zur Vorstellung des "World Development Report" und nach einem Hinweis durch unseren Professor hatte ich mich auf die Gästeliste setzen lassen.
Die Weltbank, mit dem wenig sympathischen Herrn Wolfowitz an ihrer Spitze, hat den Auftrag die Entwicklung benachteiligter Länder durch Beratung und finanzielle Hilfen anzutreiben. Jedes Jahr wird der "World Development Report" veröffentlicht, der sich jeweils auf einen Schwerpunkt der Entwicklungsprobleme fokussiert. Dieses Jahr ist das Thema des Berichts die große Gruppe der 12-25 Jährigen Jugendlichen, die eine Ausbildung auch über einfaches Schreiben und Rechnen hinaus benötigen.
Nach der Sicherheitskontrolle im "Centre international des congresses Kléber" fand die Empfangsdame tatsächlich meinen Namen zwischen dem vieler arrivierter Herren in feinen Anzügen und da ich nicht der einzige von unserer Universität war, der im Sitzungssaal Nr 8 platz nahm, freute sich die Moderatorin der Veranstaltung über so viel junges Publikum.
Hinter den Mikrofonen nahmen drei Herren und zwei Damen Platz. Der jüngste von ihnen war der Herr von der Weltbank, die Dame mit den roten Haaren links von ihm die Moderatorin.
Auf der Gegenseite: Vertreter der NGOs sowie des französischen Staates, die den Bericht kommentierten.
Zunächst wurde der Bericht vorgestellt - dann zerissen. Der arme Mann von der Weltbank (lustiger Ausdruck irgendwie) hatte alle Mühe mit seinem leicht eingeschränkten Französisch all den Professoren und Dozenten im Saal (und einem Ex-Mitarbeiter derselben Bank) stand zu halten, die alle ganz anderer Meinung waren. Das Glück war nicht auf der Seite des kleinen Mannes von der Weltbank, als irgendein Protestler auf der Straße vor dem Gebäude auch noch seine Hupe auf Dauerbetrieb stellte und die Veranstaltung so einige Minuten lang störte.

Jetzt kann ich mir überlegen ob ich genug verstanden habe um meine Semesterarbeit (die gerade zu einer Jahresarbeit ausgeweitet wurde) mit dem Bericht zu bereichern. Ich bin noch immer auf der Suche nach einem Thema, dass ich gut bearbeiten kann.

Fotos: Oben: Präsentation des Welt-Entwicklungsberichts in Paris, Unten: Entwicklungshilfe, wie sie in unserem Wohnheim praktiziert wird.

Samstag, Oktober 07, 2006

Der französische Akzent oder: "Je progresse!"


Wenn man meine letzten Einträge durchschaut könnte man meinen, ich käme kaum mit echten Franzosen in Berührung. Der Eindruck täuscht etwas. Mit Zweien treffe ich mich sogar recht regelmäßig. Der eine ist Arnaud,dem ich - vor Neid leicht mit dem linken Auge zuckend - letztens bei der Einschreibung in einer Pariser Eliteschule zuschauen durfte. Danach hatte er uns aber Eintrittskarten für die Mondial de l'Automobile organisiert. Mit dem anderen, Nicolas, Student der slawischen Sprachen an einer anderen Grand Ecole, war ich gerade mal wieder Abendessen. Normalerweise geht man mit mir nicht gern Abendessen - man kocht mir lieber zuhause, da ich inzwischen doch als echt deutscher Geizkragen bekannt sein dürfte - aber bitte: Jeden Tag 15 Euro für ne Pizza plus Boisson ist halt nicht drin bei mir.

Mit Nicolas spreche ich auch tatsächlich fast immer französisch. Meine Aussprache scheint ihn sehr zu amüsieren, auch wenn er immer wieder beteuert "so schlimm ist sie gar nicht". Arnaud nannte den Akzent letztens "mignon" - also süß - und behauptet standfest, selbst keinen Akzent im Deutschen zu haben. Da täuscht sich der Teure allerdings ein wenig. Eine Bedienung im le Carré ließ mich letztens eine Bestellung drei mal wiederholen, "weil der Akzent so toll ist".

Wird der Abend später und die Sätze komplizierter beginnt der Mundraum leicht zu schmerzen. Das Verständnis wird über den Abend in der Regel immer besser - wenn Nicolas etwa mit anderen Freunden zusammen sitzt, kann ich mich im Laufe der Unterhaltung immer besser an Tempi und Aussprache der Konversation gewöhnen. Die eigene Sprachfähigkeit nimmt aber irgendwann wieder ab - wie das halt so ist mit dem Alkohol.

Die Diskussion um den brauchbarsten Akzent ist unter Sprachstudenten allgegenwärtig und als Französisch-Frischling werde ich da auch ständig mit reingezogen. Matthieu, noch ein Franzose, ist wie Arnaud des Deutschen und Polnischen mächtig, macht sich aber überhaupt nichts aus seinem Akzent. Er vertritt die sympathische Meinung: "Hauptsache ich werde verstanden". Sein Deutsch ist wirklich fast fehlerfrei, aber die Betonung ist superlustig.

Weitere lustige Akzent-Kombinationen sind Portugiesen, die Französisch sprechen, Christian der einen "Croque Mongsieur" bestellt, Nicolas, der einen Karl-Lagerfeldschen Akzent ganz gut immitieren kann ("Schö Brokress"), Arnaud, wenn er schweizerdeutsch redet oder Florian und ich, die wir uns auf hessisch und pfälzisch unterhalten, damit die anwesenden Franzosen mal ausnahmsweise nichts verstehen.

Foto: Haben fast keinen Akzent: Russen, die französisch sprechen. Diese alte Russin aber belässt es bei russischem Liedgut in der Metro und verdient sich damit lautstark ein kleines Taschengeld.

Donnerstag, September 28, 2006

ECTS-European Credit Transfer System


Die europäische Einigung bringt viel Praktisches mit sich. So zum Beispiel können europäische Studenten ohne Schwierigkeiten ein oder zwei Semester auf einer Hochschule in einem anderen europäischen Land studieren. Um das Verfahren zu vereinfachen und verbindliche Vergleichbarkeit zwischen den Universitäten herzustellen hat man das European Credit Transfer System - kurz ECTS erfunden. Für bestimmte Kurse gibt es eine bestimmte Anzahl von Punkten. Stimmt die Anzahl der Punkte auf den verschiedenen Universitäten überein, ist die Anerkennung nur noch Formalia.
Soweit die rosarote Theorie.
Meine Erfahrungen mit ECTS sind da doch eine ganze Ecke Europa-skeptischer. Für mich ist Europa ein Sumpf, das ECTS-System ist die defekte Pumpe zur Trockenlegung desselben und die verschiedenen Universitäten kochen jede ihr eigenes Süppchen, das zur Biodiversität des Sumpfes beiträgt.
Am Dienstag stand ich vor Monsieur Leroy, um mein Leid zu klagen und Aufklärung zu erfahren. Denn in Wirklichkeit kümmert sich natürlich kein deutscher Hochschuldozent um die Anzahl der ECTS-Punkte, sondern er will wissen, ob diejenigen Fächer, die sein Student im Ausland belegt hat auch inhaltlich mit denen im Inland vergleichbar sind. Daher fordert ein Dozent in Mainz Angaben über Inhalt und verwendete Literatur. Diese sind aber an französischen Unis nicht zu haben - nicht online und nicht im Voraus. Man muss schon die ersten zwei Unterrichtsstunden abwarten, bis man eine solche Liste ausgehändigt bekommt.
Schon dieser erste Fakt vereitelt die ganze schöne ECTS Welt - denn stimmt der Inhalt aber die ECTS-Punkte sind unterschiedlich "dann schauen wir da großzügig drüber weg" - so der verantwortliche Professor Sauernheimer in Mainz.
Der Austausch ist auch so zu handhaben - es ist etwas riskanter zwar, was die Anerkennung angeht, aber wenige Wochen nach Studienbeginn sollte man darüber bescheid wissen, ob gleichnamige Fächer auch gleichwertig sind.
Im Sumpf Europa kommen aber noch ein paar Schwierigkeiten (giftige Schlangen und Krokodile) hinzu. Zum einen sind noch lange nicht alle Unis auf Bachelor umgestellt. Zum anderen ändert sich bei vielen Universitäten durch die Umstellung nicht wirklich viel: Gleiche Kurse haben unterschiedliche Namen, gleiche Studiengänge haben unterschiedliche Richtungen, gleiche Studienabschnitte haben unterschiedliche Anforderungen.
In all dem Wusel kann man zwei Universitäten finden, die zufällig aufeinander abgestimmt sind - oder man geht für ein Jahr von Mainz nach Paris.
Ich stehe also immernoch vor Monsieur Leroy, der ein prüfendes Auge auf meinen Zettel geworfen hat, auf dem ich versucht habe, die deutschen Kursbezeichnungen ins französische zu Übersetzen.
Mit dem Finger fährt er von oben bis unten über die Liste. "On n'a pas, on n'a pas, On n'a pas - das haben wir alles nicht. Drei Kurse können sie im nächsten Semester belegen, die könnten übereinstimmen - désolée!"
Naja das klang ja zunächst nach einem sehr einfachen ersten Semester. Ich stellte mich schon darauf ein, in meinem ersten Semester neben meinen Sprachkursen nur ein paar Kurse die mich sowieso interessierten zu belegen - pour mon plaisir sozusagen. Aber bevor ich mir sicher sein konnte ging es schließlich doch nochmal zu Monsieur Najman, der dann ja auch den Contrat d'Etudes unterschreiben sollte.
Monsieur Najman glaubt ganz fest an ECTS. Er hat dann auch tatsächlich noch den ein oder anderen Kurs gefunden, bei dem ich es zumindest versuchen konnte, dessen Anerkennung in Deutschland zumindest theoretisch möglich sein könnte. Aber bei 24 Punkten war das Ende der Fahnenstange erreicht. Uns fiel nichts weiteres mehr ein. Monsieur Najman grübelte eine Minute, dann ging ihm ein Licht auf und er verkündete mir seine großartige Idee: "Sie schreiben ein Memoir! Das übt ihre Sprache und Sie können sich ein Thema aussuchen, das Sie interessiert". Ein Memoir ist eine Semesterarbeit, eine Art Generalprobe für die Diplomarbeit. Ich bin sicher meine Begeisterung fiel mir quasi aus dem Gesicht. Aber inzwischen bin ich auch überzeugt: Eine gute Übung für mein Französisch.

Foto: Hort der Bildung: Nationalbibliothek in Paris.

Dienstag, September 26, 2006

Le choix intertemporel


Manchmal wird man auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, was den sprachlichen Fortschritt anbelangt. Einen ganzen Film - so habe ich gestern Abend gemerkt - verstehe ich eben doch noch nicht. Und wenn das ganze Kino lacht bin ich manchmal noch immer total ahnungslos. (Wir haben die meisten Gags nachher nochmal durchgesprochen, damit es nicht ganz umsonst war.)
Oder später - als wir im Café sitzen und Arnaud fordert "Simon, fang endlich an den Subjonctif richtig zu benutzen! Du bist schon drei Wochen hier!"

Die wirkliche Herausforderung aber ist die Uni. Hier muss ich die Sprache verstehen, um am Ende zumindest in manchen Fächern eine Prüfung ablegen zu können. Heute würde es soweit sein - auch wenn ich noch immer keinen festen Stundenplan habe - so vermutete ich mal, dass die heutigen Kurse einen Besuch wert seien.

Der erste ernste Tag an der Uni. Von anderen ERASMUS-Studenten ist erstmal keine Spur zu finden. Mein Kurs - den ich mir herausgesucht habe auf den Verdacht hin, dass er so ähnlich klingt wie ein Kurs in Deutschland, den ich noch belegen muss - heißt Economie Monetaire International.

Ich bin etwas zu früh vor meinem Vorlesungssaal und habe noch etwas Zeit mir die anderen Stundenten in der Aula anzusehen. Vollkommen unstudentisch kommen mir die vor, eher wie eine Mischung aus Oberstufenschülern und Gangster Rappern.
Madame Duchene, die Dozentin, ist dann doch eher die typische Lehrerin mit dem schmalen Gesicht, den dünnen Armen - und einer sehr sehr leisen Stimme.

Wichtig ist, dass Franzosen mit mir laut und deutlich reden, damit ich all die kleinen Worte, die so schnell verschluckt werden verstehe. Dieser Anforderung kommt Madame Duchene erstmal nicht nach. Nach etwa einer viertel Stunde habe ich mich dann aber hineingehört und verstehe sie ganz gut. Allerdings erfordert es eine ungemeine Konzentration - eine kleine Unaufmerksamkeit von mir und der ganze Absatz kann verloren sein.

Madame Duchene erklärt heute Morgen le choix intertemporel - mit und ohne der Sicherheit über die Zukunft. Das ist schon relativ anschaulich mit vielen Formeln und Modellen, die ich in ähnlicher Form schon mal gesehen habe. Madame Duchenes Tafelbild hilft ein bisschen, allerdings wird mir dabei auch die Bedeutung einer klar lesbaren Schrift deutlich. Diejenigen die die Sprache sicher beherrschen, können bei unlesbaren Zeichen leicht darauf schließen was es heißen soll - ich aber leider nicht. Meine Banknachbarn helfen mir da gelegentlich weiter.

Während der Vorlesung rätsele ich außerdem weiterhin ob das nun der Kurs ist, der mir weiterhelfen könnte. Außerdem stelle ich mit schrecken fest, dass es einen weiteren gleichnamigen Kurs am Nachmittag geben wird. Nochmal drei Stunden - das wäre aber langsam anstrengend!

In der Pause bin ich ziemlich fertig von dem ganzen Mithören und gehe zu Madame Duchene, um sie um Rat zu fragen. Doch da ist es wieder: Das unbestimmte Gefühl, dass mein Französisch manchmal nachlässt: Ich stelle eine Frage wie zum Beispiel: "Wissen Sie ob dieser Kurs für meinen deutschen Kurs anerkannt wird?" Madame Duchene beginnt zu sprechen. Madame Duchene hört auf zu sprechen. Nächste Frage. Während des "Gesprächs" kommt mir die klassische Konditionierung in den Kopf und ich frage mich insgeheim ob ich nur irgendwas auf französisch sagen müsste, damit Madame Duchene zu sprechen beginnt. Wenn sie mich dabei beschimpfen würde - würde ich es merken?

Der nächste Lehrer ist ein angenehmer Erzähler, der Kurs heißt genauso wie der erste, geht ebenfalls drei Stunden lang, scheint aber von etwas ganz anderem zu handeln. Keine Theorien werden hier verbreitet, der kräftige Mann im Business-Anzug und den weißen Haaren erzählt von Börsenplätzen, Derivaten-Handel und so weiter. Zuhören geht bei ihm recht leich und obwohl ich schon drei Stunden konzentriertes Französisch hinter mir habe geht das alles erstmal ganz gut. Bis er dann anfängt zu diktieren. Das üben wir dann beim nächsten Mal wieder...

Foto: Der kaputte Fußball - Denkmal in Creteil zur gerade verlorenen Fußball-WM.

Samstag, September 23, 2006

Billig leben in Paris (2) - oder: mal wieder Wochenende


Wie bereits berichtet, belaufen sich Eintrittsgelder für Pariser Clubs in den luftigen Höhen von 15 bis 20 Euro. Da ist man gut beraten ein paar Tricks zu kennen.

Diesen Freitag hatte ich mich kurzentschlossen mit einer Gruppe Deutscher, von denen ich einen bereits kannte, im Le Carré getroffen und wir erzaehlten eine Weile über die kleinen Start-Schwierigkeiten in der ungewohnten Umgebung. Derjenige den ich bereits kannte war der Modeschüler, von dem ich berichtet habe - als Einziger in unserer Gruppe übrigens halb-Franzose und der Sprache absolut mächtig. Ein weiterer war ERASMUS-Student wie ich, jedoch an einer anderen Pariser Uni und der letzte im Bunde schließlich war bereits ein Jahr in der Stadt und machte dies und das - so genau kann ich mich nicht erinnern.

Der Abend wurde später und es stellte sich die Frage wie die Nacht weiter gehen sollte. Hier der Trick: In einigen Pariser cafés und Bars werden am Abend Einladungen für verschiedene Clubs verteilt. So eine Einladung sieht aus wie eine einfache Werbepostkarte - ist aber durchaus bis zu 20 Euro wert. Alles was man nun tun muss ist, damit in einer einigermaßen annehmbaren Verfassung zum Empfang des Clubs gehen und dann den Rest des Abends kostenlos feiern.

Da wir mehr Einladungen gesammelt hatten als wir Leute waren lachten wir uns noch zwei Einheimische an. Die eine Französin verließ uns aber bald wieder - gut gelaunt auf der Motorhaube eines Pariser Taxis reitend.
Mit dem Anderen unterhielten wir uns auf französisch. Während zwei von uns sich richtig anstrengten ein eingermaßen ordentliches Französisch zu sprechen, war unser Halbfranzose schon sehr angeheitert und lallte ein bisschen. "Da! - Du hast überhaupt keinen Accent!" - ja das freut...

Da in den Einladungen keine Getränkegutscheine enthalten sind ließen wir an einem Kiosk auf dem Weg halten und organisierten noch ein paar Flaschen. Aber Vorsicht - hier kommt Tip Nummer 2: Alkohol aus dem Kiosk ist in Frankreich zwar wunderbar billig - aber nach elf Uhr ist öffentliches Trinken auf der Straße polizeilich verboten und wird tatsächlich streng geahndet.

Ganz nebenbei übrigens hier noch Tip Nummer 3 für heute: Alle die ein rauschendes Silvester in Paris feiern wollen seien ebenso gewarnt. Feuerwerk ist hier streng verboten. Das letzte große Feuerwerk zu Silvester gab es in der Stadt zum Jahrtausendwechsel - seither bleibt der Himmel über der Stadt um Mitternacht absolut Dunkel. Wer ahnungslos Knallermaterial aus Deutschland mitbringt und anzündet verbringt den Rest der Nacht mit ziemlicher Sicherheit auf dem Polizerevier.

Foto: Abendstimmung mit Eiffelturm - von meiner Wohnung aus gesehen. Nein - Scherz. Vom Louvre aus gesehen.

Sonntag, September 17, 2006

Wie Praktisch: Einheimische kennen


Parc de Boulogne - nicht Bois de Boulogne. Jaja sehr süß, wie diese Deutschen alles durcheinander bringen. Also unser Open-Air-Kino-Abend findet in der Stadt Boulogne, direkt vor den südwestlichen Toren der Stadt statt - und nicht, wie ich geglaubt hatte, im berühmten Bois de Boulogne.
Star Wars, dritter Teil steht auf dem Programm, mit von der Partie sind Nicolas, den ich hier vor zwei Wochen kennen gelernt habe und zwei seiner Freundinnen. Der Film ist auf französisch aber ich komme schon gut mit. Ich habe das Gefühl, dass mein Französisch schon viel besser geworden ist. Auch wenn sich die drei anderen über ihre Arbeit an der Uni unterhalten, verstehe ich fast alles und kann auch ein bisschen mitreden. Wenn mir ein Wort fehlt, bekomme ich es sofort erklärt - es findet sodann Eingang in die immer länger werdende Liste neuer Vokabeln in meinem Carnet, das ich stets in der Hosentasche trage.

Ein Gesprächsthema des Abends sind natürlich auch ERASMUS-Austauschprogramme. Die Schwierigkeit die jeder kennt, der an diesem Austausch teilgenommen hat ist, im Gastland Anschluss an Einheimische zu finden. Auch am Eröffnungstag in der Uni habe ich neben mir fast niemanden getroffen, der schon Franzosen in Paris neu kennen gelernt hätte. Pariser haben nun mal schon ihre Freundeskreise und sehen keine Notwendigkeit darin, neue Leute kennen zu lernen, zumal die anfangs kaum französisch reden. In Mainz fanden ERASMUS-Studenten vor allem im Wohnheim Anschluss und blieben ansonsten auch eher unter sich. In meinem Pariser Wohnheim wohnen keine französischen Studenten - umso mehr Glück hatte ich wohl bisher. Der Trick ist meistens, sich über gemeinsame Interessen über den Weg zu laufen - so hat sich mein Mitbewohner gleich in mehreren Capoeira-Clubs umgeschaut.

Wir bleiben an dem Abend noch eine Weile bei einer von Nicolas' Freundinnen in ihrer Wohnung in Boulogne (viel geräumiger als diese kleinen Stadtwohnungen) und so sitze ich am Ende in der Metro Nummer 8, die leider nicht mehr bis Creteil sondern nur noch bis zum Place de la Republique fährt. Da rechnet es sich sofort, dass ich seit heute ein französisches Handy (le portable) besitze und schon Leute in der Stadt kenne, bei denen man in solchen Fällen auch mal übernachten kann.

Foto: Am Nachmittag stehe ich unvermittelt in der Pariser "Love Parade" - die hier sicherlich anders heißt aber auch sehr groß ist.

Donnerstag, September 14, 2006

Erstmal Uni

Heute großer Einführungstag in der Uni. Um 9.30 heute Morgen wurden wir alle ins große "Amphitheatre" geladen - sprich in den Hörsaal des Economie-Gebäudes. Alle möglichen Berühmtheiten der Universität stellten sich da vor - als Monsieur Pons aufgerufen wurde, von dem wir alle unsere E-Mails erhalten hatten, ging erstmal ein Raunen durch den Saal.

Anschließend wurden wir auf verschiedene Gruppen verteilt die dann von französischen Studenten durch das Uni-Gelände geführt wurden.
Heute habe ich zum ersten mal andere deutsche ERASMUS-Studenten kennen gelernt (mal abgesehen von meinem Mitbewohner), auch zwei die Eco machen und die genauso wenig Ahnung von ihrer Fachbelegung haben wie ich. Es ist ein bisschen merwürdig, dass die Studenten aus all den anderen Ländern - zum Beispiel Portugal - wunderbar mit diesem französischen System zurechtkommen. Sie wissen genau welche Scheine sie hier machen und welche sie in ihrem Heimatland dafür anerkannt bekommen. Nur die Deutschen scheinen hier nicht ganz kompatibel zu sein.

Man spricht an dieser Universität von Jahren, weniger von Semestern. Für jeden Studenten ist festgelegt welche Fächer er in welchem Jahr macht. Diese Reihenfolge ist in Deutschland nicht vorgegeben - ein Grund für die Konfusion. Ein anderer ist, dass der Übergang von Licence zu Matiere - also von Grund- zu Hauptstudium, scheinbar nicht auf absolut vergleichbarem Niveau stattfindet. Werde ich also Licence-Fächer belegen oder Matiere-Fächer?

Darüber habe ich heute noch keine Klarheit gewonnen, am Montag ist aber Sprechstunde bei Monsieur Najman, dem zuständigen Koordinator. Heute haben wir vielmehr gut gegessen und danach ein bisschen mit unseren Französisch-Kenntnissen kokettiert. Ein Test - zunächst ein Essay und dann ein Interview mit einem der Lehrer wurden abgehalten.

Nach meinem Interview stellte man mir frei, gleich in die Superieur-Klassen zu gehen oder erst in das mittlere Niveau einzusteigen und später in das höhere überzutreten. Mit Option eins hätte ich im zweiten Semester kein Französisch-Unterricht mehr. Das klingt gut - da ich aber nicht weiß, wie viel ich in Eco überhaupt zu tun haben werde, sammle ich lieber mit ein paar mehr Französisch-Kursen Punkte. Nicht dass mir am Ende hier noch langweilig wird.

Die Uni macht einen freundlichen Eindruck, und auch wenn gelegentlich die Organisation ein bisschen schwerfällig scheint, so ist es doch nicht die große Katastrophe die manche prophezeit haben. Vor allem das Gebäude von Eco ist modern und hat auch eine große Bibliothek. Mal schauen wie das hier weitergeht.

Viele Erasmus-Studenten sind gerade erst eingetroffen und haben noch kein einziges Wort französisch geredet. Auch heute haben sich gleich die Grüppchen nach Nationen aufgeteilt. Ich hoffe, dass das alltägliche Uni-Leben noch ein paar mehr Möglichkeiten für Nationalitäten-überschreitende Bekanntschaften bereithält - ansonsten halte ich mich eben erstmal an die paar Franzosen die ich schon kenne.

Heute Abend zum Beispiel gehts zu einer Soirée DVD - ein DVD-Abend.

Fotos: Das Französisch-Interview und die Warteschlangen vor den französischen Interviewern.

Montag, September 11, 2006

Tea-Dance

Zum dritten Teil meiner Wochenend-Ausgeh-Trilogie. Les Bains-Douches sind ein neuer Club (und an anderen Tagen auch ein Restaurant) in der Rue du Bourg L'Abbé im dritten Pariser Arrondissement. Schon der großzügige Eingang mit seinen roten Stoffbahnen und Empfangsdame in der Eingangshalle (neben den obligatorischen Empfangsherren - sprich "Security") machen einiges her. Der Club ist in seinem Innern schick und modern durchgestylt mit Videoinstallationen, weißen Wänden sowie blauem und rotem Licht. Wir sind hier heute zum Tea-Dance - das heißt es geht los um acht und nicht länger als etwa ein Uhr, denn dann wechselt man in die klassischen Nachtclubs (wir heute nicht, es ist Sonntag, ich bin heute Abend sowieso schon schwer aus den Federn gekommen). Angesichts der aufwendigen Gestaltung und der guten Musik ist es umso erfreulicher, dass der Eintritt bis neun Uhr frei ist und das ist auch das eigentliche Argument für den Club an diesem Abend.

Wie komme ich an die Adresse? Nunja, ich wäre wohl hilflos ohne meinen ortskundigen Begleiter, Arnaud. Der wird praktischerweise an einer der Grands Ecoles zum Dolmetscher für Deutsch (neben Polnisch und Englisch) ausgebildet und spielt derzeit Privatlehrer für mich. Er lässt mir keinen grammatischen Fehler durchgehen und ammüsiert sich an meinem deutschen Akzent. Ich habe ihm noch nicht von seinem Akzent erzählt. "Könntest du bitte ordentliches Französisch sprechen?" - ich versuche es ja. In der Eile habe ich heute leider mein Carnet für neue Vokabeln vergessen, andererseits ist Heftführung auf Tanzflächen nirgends sonderlich angesehen - ergiebig wäre der Abend sicherlich geworden.

Auch dabei ist ein Freund von Arnaud, Simon (leicht zu merken), der ebenfalls schon ein halbes Jahr in Deutschland verbracht hat, sich aber weigert zuzugeben, dass er Deutsch versteht. Ohnehin ist es erwünscht, dass die vorrangige konversations-Sprache Französisch ist. Nur wenn ich später am Abend langsam Hirnkrämpfe kriege oder es gerade sehr schnell gehen muss ist Deutsch ok.

Vorteil an einem Abend mit Tea-Dance ist, dass man noch die letzte Metro nach Hause erwischt. Von Les Halles bringt sie mich aus dem Wochenende nach Creteil zurück, wo am nächsten Tag der "Alltag" beginnt - mit putzen und französischen E-Mails auf dem Programm. Beim Umsteigen in Reuilly-Diderot gibt es eine kleine Wartezeit, die ein Schwarzer in langem Gewand dazu nutzt, den Passanten zu erklären, wie schlimm die Zustände in Afrika sind und dieser Monsieur Sarkozi - il est nul! Stolz seinen Monolog weitgehend verstanden zu haben fahre ich nach Hause und bin mit meiner ersten Woche in Paris mehr als zufrieden.

Foto: Champs-Elysee bei Nacht

Sonntag, September 10, 2006

Französisch lernen (3)

Heute: Methodik

Gestern habe ich mir im Carrefour um die Ecke ein kleines Vokabelheft gekauft, das in meine Hosentasche passt und das ich jetzt stets bei mir trage. Zufällig, wie mir die Dinge begegnen schreibe ich neue Wörter oder auch grammatikalische "Kniffe" dort hinein.

Hier ein Auszug der ersten Seite, also die allerersten Worte, die ich mir auf diese Weise einpeprägt habe:
la moitié - die Hälfte
se lever - aufstehen
mignon - süß, putzig
LE coca - DIE Cola
LE Metro - DIE Metro
idiotie,f. - Idiotie
mensonge, m. - Lüge

Wer mir jetzt in den Kommentarbereich eine schlüssige Geschichte reinschreibt, wie mir diese Worte nacheinander alle begegnet sind, dem gebe ich bei einem Besuch in Paris gerne eine 4-Euro-Cola aus...

Samstag, September 09, 2006

Paris - en boite




Paris am Wochenende ist natürlich eine besondere Herausforderung. Vielleicht hat der geneigte Leser bereits gemerkt, dass die neuen Artikel nicht mehr abends sondern jetzt erst morgens oder mittags eingestellt werden. Das kann damit zu tun haben, dass ich in den letzten Tagen die Abende anderweitig verplant hatte.

Wer ins Kino möchte ist an der Metrostation Odéon gut aufgehoben. Am Place Odéon gibt es gleich mehrere Kinos, die Gegend hier am linken Seine-Ufer (am Blvd st. Germain, nahe der Sorbonne) bietet ein ganzes Kino-Cluster. Die Kinos sind meist nicht sehr groß und man muss vorher nachschauen wie sich die verschiedenen Blockbuster auf die Kinos verteilen.

Nicht gerade ein Blockbuster war der Film den ich gestern gesehen habe - "Les Particules Elementaires" - ein ausländischer Film - gottseidank mit französischen Untertiteln, man ist dieses komplizierte Deutsch ja gar nicht mehr gewohnt...
Spaß bei Seite, wer sich in das Thema Film noch weiter hineinsteigern möchte findet ganz in der Nähe, nämlich in der parallel verlaufenden Rue Serpente auch verschiedene Geschäfte zum Thema - Film-Buch-Läden, Film-Plakat-Läden und so weiter - wenn ich nur besser französisch spräche hätte ich mich dort längst eingewiesen.

Die ganze Gegend (weniger der Boulevard selbst - nur Touristen!) aber die Seitenstraßen in nördlicher Richtung bieten auch noch einige schicke Bars und Cafes, die allerdings preislich auf dem teuren Pariser Niveau liegen.

Günstiger geht das im Marais, wo sich gewisse Randgruppen eingenistet haben, man für ein paar neugierige Blicke aber weniger bezahlt. Ich ziehe es vor hier nur in Begleitung unterwegs zu sein, dann ist es aber wirklich eines der besten Ausgeh-Viertel, das ich bisher kenne (und nicht super-touristique - wie der Pariser zu so manch anderem "In-Viertel" sagt). Das Le Carré habe ich schon ausprobiert und hier trifft man auch tatsächlich das jüngere Pariser Party-Volk an.

Neben Cafes und Kinos gibt es natürlich noch ein paar andere Kategorien, wenn man "en boite" - also auf Piste geht. Da gibt es noch den Tea-Dance und die klassischen Nachtclubs. Tea Dance sind Läden ähnlich einem Nachtclub, nur die Betriebszeiten sind leicht nach vorne verschoben und ermöglichen so noch die gemütliche Heimreise per Metro. Nach etwa ein Uhr wechselt man schließlich ins bekannte "le Queen" oder in einen der vielen anderen Nachtclubs. Ich selbst habe noch keinen Nachtclub ausprobiert, ich sage mal, das Wochenende ist noch jung... (heute Abend bin ich eingeladen auf eine Party zum Thema französische Musik - mal sehen)
Mein Mitbewohner allerdings war schon unterwegs und berichtet, dass es durchaus schwierig sein kann, ohne weibliche Begleitung oder mit schwarzer Hautfarbe Einlass zu kriegen. Außerdem liegen die Eintrittspreise bei saftigen 10 bis 20 Euro. Welche wunderbaren Vorzüge sich hinter diesen etwas abschreckenden Fakten stecken, wird der neugierige Reporter (ich) ein andermal berichten.

Zu den Fotos:
Heute gibts ein bisschen Creteil aufs Auge, auf dem Weg von der Metrostation in mein Wohnheim hab ich ein paar Fotos gemacht. Das beste an diesem Viertel, das man mit der Metrolinie 8 in etwa einer halben Stunde vom Place de la Bastille erreicht ist sicherlich sein Carfour! Dieser riesen-Supermarkt bietet alles was Aldi nicht hat! Frischen Fisch, 4 Regale mit Süßigkeiten, warme Speisen, Soup de Poisson in Flaschen etc etc. Angesichts des teuren Wochenendes gilt hier mehr denn je die Maxime: Niemals hungrig einkaufen gehen!

Mittwoch, September 06, 2006

Konversation


Heute habe ich das erste mal ausgiebig die französische Konversation geübt. Mit einem echten Franzosen in einem netten Cafe im vierten Arrondissement (oder "im Vierten", wie wir Insider sagen). Der sprach neben französisch auch noch ungarisch, polnisch und deutsch, was manchmal weitergeholfen hat. (Ist ein Auslandsjahr etwas besonderes? nein - wie man an diesem Beispiel sieht, erreicht man damit höchstens Mittelmaß: Mein Gesprächspartner studiert wenig länger als ich und war schon in Polen, Ungarn und Berlin, mein Mitbewohner hat bereits ein Jahr in Los Angeles und ein anderes in Osaka hinter sich - ja er spricht fließend japanisch und hat am kommenden Wochenende einen Dolmetscher-Job in Frankfurt.)
Anschließend haben wir es noch tausenden anderen Franzosen gleich getan und den Nachmittag im Jardin du Luxembourg verbracht. Auf dem Rasen tummelten sich beachtlich viele Kindermädchen mit ihrer Brut und an herausragender Stelle übte sich ein ausnehmend hübscher und von sich selbst sehr überzeugter Schwarzer in Capoeira.
Es ist schon wirklich recht unterhaltend, länger dort auf dem Rasen zu sitzen und den Leuten zuzusehen. Am Capoeira-Afrikaner jedenfalls übte ich mit meiner Begleitung das Wortfeld "Körper" (la jambe - das Bein, le bras - der Arm, le talon - die Ferse), und auf den Kieswegen tummelten (oder besser "prügelten") sich die Gendarme mit den Kriminellen. So ein Krimineller kann ziemlich austeilen, so ein Polizist ziemlich einstecken, aber am Ende gewinnt eben doch der zahlenmäßig stärkere Arm des Gesetzes.
Außerdem war ich heute beim Friseur. Mein Französisch mag für Konversation ausreichend sein, für den Friseur auf keinen Fall - jedenfalls bin ich nicht zufrieden mit meiner neuen Frisur. Deshalb gibt es heute übrigens auch kein Foto von mir (sondern: Boule-Spieler im Jardin du Luxembourg).


Dafür:
Billig leben in Paris (Folge 1):

Wenn man auf dem Blvd St Germain Hunger verspürt und sich gerade auf der Höhe Blvd St. Michel befindet, muss man sich nicht in eines der sehr teuren Cafés am Boulevard setzen. Man biege direkt neben dem Hotel Cluny in die Rue de la Harpe ab und besuche eines der hier ansässigen Bistrots, die eine "Extra Pita" für 4 Euro, eine Cola für 1,60 (in der Canette - das heißt "kleine Ente" oder in diesem Fall "Dose") oder sogar eine Kombination aus Sandwich und Getränk für nur 3 Euro anbieten. Vorsicht: Nur etwas weiter gerät man in die Touristenlokale des Quartier Latin, wo man zwar billig, aber eben auch "nicht gut" isst.
Ganz in der Nähe am Place St. Michel gibt es übrigens außerdem eine Buchhandlung mit deutscher Literatur.