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Dienstag, März 20, 2007

Zur Jagd, Messieurs!

Wenn es dem Pariser nach der guten alten Fuchsjagd gelüstet - oder etwa nach einem Topf Hirsch-Gulasch zum Abendessen - dann hat er natürlich die Möglichkeit, sein Glück im Bois de Boulogne zu versuchen, ganz wie der Adel in alten Zeiten. Doch wird er feststellen, dass jener Wald längst nicht mehr so sehr zur Jagd taugt, das Naturerlebnis viel mehr durch Jogger, Autolärm und Stricher gestört wird, die einem ständig vor die Flinte laufen.
Aber es gibt Abhilfe. Für das Hirsch-Gulasch sorgt die Küche im Hotel "George V", das Jagd-Ambiente findet man im "Maison de la Chasse" im dritten Arrondissement.
Als wir zu unserem Samstags-"Jagd"-Ausflug vor dem Haus ankommen sehen wir gleich: Wir sind heute die jüngsten Besucher. Eine Kohorte Malteser schiebt gerade eine Ladung Rollstühle in die Lobby - alles alte Jäger vermute ich mal.
Aber die Herrschaften wissen was gut ist: Ein ganzes Sortiment kunstvoller Bärentöter und ein ganzer Zoo von Trophäen sind dargeboten. Sicher ist dieses Museum nicht für jeden Geschmack geeignet. Doch wer sich einprägt, dass all diese seltenen Tiere sicherlich starben, bevor auch nur eines von ihnen einen Tierschützer vom WWF kennen lernen konnte, kann sich beruhigen: Die Sammlung wird nicht weiter vergrößert.
Leoparden, Nilpferde, Elche und Eisbären gehören zum Inventar des Hauses. Daneben immer wieder Jagdszenen auf alten Gemälden und geschmacklose Suppenschüsseln in Wildsau-Kopf-Dessin. Ein Skurilitäten-Kabinett einerseits, andererseits super schicke Interieurs aus dem 19. Jahrhundert - Florian weiß gar nicht mehr wo ihm der Kopf steht.
Moderne Ausstellungen im oberen Stockwerk, sowie in einem der Seitenflügel beleuchten, sozusagen als Ausgleich, die umstrittenen Aspekte der Jagd. Abschreckend großformatige Fotos lassen einen fast zum Vegetarier werden...

Dann doch lieber blonde Schwedinnen Jagen - im Haus der schwedischen Kultur um die Ecke - da gibts auch Kuchen und Kaffee zum "runterkommen".

Fotos: Roter Teppich vor Gewehr-Sammlung und Trophäen-Saal (Ausschnitt).

Dienstag, Februar 20, 2007

Tier- und Menschversuche


Cité des Sciences im Park de la Vilette ist ein Museum moderner Zeiten. Nicht leblose Kunst, sondern unser aller Wohlergehen werden ausgestellt. Die Ausstellung mutet erst etwas wirr an - von Energiequellen der Zukunft und der guten alten Mirage mit A-Bombe ist da die Rede. Genauso wie von unserem Hörorgan und den verschiedenen Jodeltechniken in den Alpen. Das Gesamtkonzept scheint allzu umfassend angelegt.
Doch langsam freundet man sich mit der "Mitmach-Philosophie" des Museums an. In der einen Ecke schießt man selbst Raketen in Richtung Museums-Decke, während gegenüber virtuell Schlagzeug gespielt werden kann.
Der Besucher soll lernen. Verschiedene Ausstellungen beschäftigen sich mit Ökodesign und dem weitergehenden Raubbau an der Natur oder auch mit den neuen Tunneln durch das schöne Alpenpanorama. Eine Ecke weiter "beschwert" sich ein "Besucher" bei der Museums-Führung über die Entführung seiner Frau durch Außerirdische.
Die weißen Mäuse in der Abteilung "Gentechnologie" kümmert das alles nicht. Wenn sie nicht schlafend in einer Ecke ihres Käfigs liegen, sind sie gemütlich in Plastik gegossen und sehen nur fast aus, als lebten sie noch...
Die leicht verrutschten Augen starren dabei direkt auf einen großen Glas-Krug mit nackten Plastik-Babys. Ein bisschen Wissenschaft vereint mit viel Eindruck.
Es ist am Ende nicht ganz klar, ob sich der interessierte Besucher eher in einem Vergnügungspark befindet oder in einem Museum. Im Flugsimulator lernt man eben mal unter Anleitung das Führen einmotoriger Kleinflugzeuge während man sich ein Stockwerk tiefer einer perspektivischen Besucher-Verarschung ausgesetzt sieht. Die Erklärung für das scheinbare Schrumpfen, Schweben oder Verschwinden wird nachgeliefert - das Entertainment ist dem Besucher doch meist wichtiger - und das allein lohnt den Besuch.

Foto: Da fühlt sich der Besucher doch gleich ganz schuldig. Wohin er nur sieht: Weltuntergang.

Mehr Bilder gibts > hier

Sonntag, Dezember 10, 2006

Le roi est mort


Am Donnerstag Abend haben Lee und ich zu einem jener "mondain" Diners geladen, fuer die die charmanten Franzosen so bekannt sein sollen. Zumindest habe ich gelesen, dass sie dafuer bekannt sind, die meisten "mondain" Diners, denen ich in Paris bisher beiwohnte waren allerdings von Ausländern verschiedener "couleur" verrichtet worden. Mit Ausnahme einer gewissen Anzahl Franzosen, die übrigens alle Nicolas hießen, was auch Zufall sein könnte.

Wie das so üblich ist bei solchen Diners, ist das besondere Augenmerk auch bei unserer Abendveranstaltung weniger auf das gute französische Essen (Pizza, Flammkuchen, Chips und Champagner), als vielmehr auf die anregende Mischung von Gästen gelegt. Kurzum, fast jeder, den ich in Paris inzwischen kenne war da.

Zuvor hatte Lee schon den ganzen Tag sauber gemacht und sogar Teelichter für die richtige Atmosphäre eingekauft. Er hatte Möbel arrangiert und den Salat garniert, während ich mich nach meiner Ankunft von der Uni um die Tiefkühlkost von um-die-Ecke gekümmert hatte.

Nachdem der Auftakt zum Wochenende schon so gut gelaufen war, verbrachten wir die folgenden Tage in Cafés und im Louvre, schließlich trafen wir uns zum zweiten Advent zu einem sehr deutschen Abendessen mit Braten, Rotkraut und Knödeln. Deutschtümeln macht ja soviel Spaß.

Der Freitagabend im Louvre (für Studenten und generell jeden unter 25 Jahren ist der Eintritt ab sechs Uhr frei), in Begleitung von Aurelie und Florian, war eigentlich vor allem der Kunst des 19. Jahrhunderts gewidmet. Man muss sich ja immer irgendwas heraussuchen, der ganze Louvre ist verdammt groß und das Jahr in Paris wird wohl gerade ausreichen, um von allem mal etwas gesehen zu haben.
Bei soviel Prunk und in Anbetracht dessen, dass der Louvre ja garnicht mal das einzige Schloss in der Gegend ist, stellte sich mir allerdings auch die Frage wohin es eigentlich all die Bourbonen - also die ehemalige Königsfamilie - verschlagen hat. Der Louvre wurde nach der Revolution 1789 zum Museum umgebaut (eher erstmal verwüstet und dann wieder hergerichtet) und Napoleon, in seiner ganzen Bescheidenheit, bewohnte später nur einige Apartements im nördlichen Flügel des Gebäudes.
Doch wo wohnt der, der heute König wär?
Nach etwas Recherche fand ich heraus, dass man tatsächlich in der Rue Rivoli Nummer 35 in ein Straßencafé stolpern kann, in dem in einer Ecke ein Foto von ihm hängt: Vom König von Frankreich, Ludwig XX, heute 32 Jahre jung.
Des weiteren erfuhr ich, dass der junge Mann heute Spanier ist und mit vollem Titel Monseigneur le Prince Louis, duc d'Anjou et de Bourbon, Chef des Hauses Bourbon heißt. Sein älterer Bruder starb bei einem Autounfall und sein Vater wurde Opfer eines grausigen Skiunfalls, der, so behaupten treue Royalisten, von den Konkurrenten aus dem Hause Orléans, mit einem über die Piste gespannten Draht mehr als nur "billigend in Kauf genommen" wurde.

Schließlich habe ich auf Wikipedia auch ein Foto des jungen Möchtegern-Monarchen gefunden, der übrigens aus dem selben Geschlechte stammen soll (nicht nur wie die vielen Louis aber auch) wie die heilige Anna, die Könige von Troja, Chlodwig (wer kennt ihn nicht?), die Kapetinger und - man lese und staune: Jesus. Na dann. Es lebe der "König".

Foto: Ich, keinem königlichen Geschlecht zugehörig, aber mit weißem Kragen zur Feier des Tages.