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Mittwoch, April 11, 2007

Drei eher negative Erfahrungen


Nach einem kurzen aber sehr schönen Osterurlaub bei den Eltern sind wir wieder auf dem Weg nach Paris. Noch bis zum 10. Juni ist man auf der Strecke auf einen klassischen Zug angewiesen - mittelschnelle Lok und altmodische Waggons ohne Steckdosen. Wenn erst mal die neuen Züge mit 320 Stundenkilometern fahren, dann ist man auch in der Hälfte der Zeit am Ziel - und nicht so ein gutes Ziel für kleine Kinder mit Feuerwaffen. Denn plötzlich geht unsere Reise nicht mehr weiter, im Bahnhof von St Avold bleiben wir stehen und rühren uns für mehr als eine Stunde nicht mehr von der Stelle. Ein Polizeioffizier taucht auf und erklärt, offensichtlich hätten kleine Kinder unsere Lok abgeschossen. Der Treffer saß so gut, dass die Lokomotive ausgetauscht werden muss.
Und das ist erst eine von drei negativen Erfahrungen auf unserer Heimreise. Die zweite registriere ich in der Metro. Da gibt es dieses Plakat, das mich in den Wahnsinn treibt - es hängt immer noch. Zum ersten Mal ist es vor mehr als zwei Monaten aufgetaucht. Es wirbt für einen Film - "Le Prix à Payer" und zeigt eigentlich nur recht langweilig: Zwei Pärchen. Eigentlich verschwinden Plakate für neue Filme nach zwei Wochen wieder - dieses hier verschwand auch erst und tauchte dann unerwartet wieder auf - Filmstart war erst Anfang April. Aber was mich an dem Plakat eigentlich aufregt, sind die beiden mittelalten Pärchen. Das eine, neben dem geschrieben steht "pas de fric" ist ja ganz ok - französisch, ganz bisschen heißblütig etc. Doch das andere, neben dem "pas de cul" steht treibt mich zur Weisglut. Sie trägt ein orangenes Kleid und sieht genervt aus. Er: Ganz leichter Bauch, perfekt sitzende Kravatte, angegrautes Haar und ein Gesicht das sagen will "ich kann für all das nichts". Beide Pärchen stehen vor weißem Hintergrund und ich habe keine Ahnung, wie sie so für diesen offensichtlich langweiligen französischen, gesellschaftssatirischen Film werben wollen. Sie hängen in jeder Station, bei jeder Tages und Nachtzeit und sie sagen nur: Kein Arsch, Kein Geld und "Er" fügt hinzu: "Und ich kann für all das nichts". Würde das nicht jeden zum Wahnsinn treiben? Wer hängt solche Plakate auf?
Dritte negative Erfahrung: Jemand hat an unsere Türklinke eine Unterhose meines Mitbewohners gehängt. Wo kommt die her? Vom Balkon geweht? Wie lange hing die da? Wir wissen es nicht und würden auch gern mehr über unsere Flurnachbarn erfahren...

Foto: Paris erblüht im Frühling. Aufnahme aus dem Jardin du Luxembourg.

Dienstag, März 20, 2007

Neulich in der Metro

Von Zeit zu Zeit trifft man ein paar seltsame Gestalten in der Metro. Bei ganz besonders seltsamen Gestalten mache ich mir nachher manchmal ein paar Notizen. Im Folgenden handelt es sich um ein nettes, aber etwas trauriges Beispiel:

An der Station „Creteil l’Echat“ steigt eine Frau in die Metro.

Zuerst setzt sie nur ein Bein in die Metro und raucht, halb im Freien stehend, ihre Zigarette zu Ende. Dann – einen Augenblick bevor die Türen schließen, lässt sie die Kippe fallen und steigt ganz ein.
Sie setzt sich in die Sechser-Bank im hinteren Abteil des Wagens. Sie holt ein Notizbuch hervor und beginnt einige Sätze zu schreiben. Ich sitze ihr gegenüber und betrachte das Notizbuch – es sieht genauso aus wie meines. Sie fragt mich nach dem Datum.
In das Notizbuch sind einige Zettel geklemmt. Die Frau spielt mit einigen Mc Donalds Gutscheinen herum, klappt sie auf und zu und fragt mich schließlich ob ich welche davon haben möchte.

Nein? Dann fragt sie, ob ich Ausländer sei, ein Gespräch beginnt. Woher ich komme, was ich mache.

Ja, Geographie interessiert sie auch, bei Ökonomie dagegen könnte sie kotzen. Ja wirklich, an dem Tag, an dem sie herausfand wie die Wirtschaft funktioniert – sie hat darüber nachgelesen – hätte sie einfach nur kotzen können.

Sie interessiert sich für vieles. Sie kommt aus Yugoslawien. Heute gibt es das Land nicht mehr. Da sie selbst teils kroatische, serbische, bosnische und montenegrinische Wurzeln hat, kommt sie jetzt aus vier Ländern – genauso gut wie aus keinem. Da könnte sie auch kotzen. Wie man mit Religion als Vorwand so einen Krieg veranstalten kann. Naja, in Wirklichkeit ging es da ja auch um die Wirtschaft. Schlimmer noch, um die Wirtschaft von nur ganz wenigen Leuten.

Sie mag den Winter hier nicht. Wenn es kalt ist geht es ihr schlecht. Sie rückt ihren alten Pelzmantel zurecht.

Die Astronomie interessiert sie auch. Sie hat erfahren, dass es einen kleinen Stern gibt, der so heißt wie sie: Tana. Sie kann sich nicht genau erinnern, in welcher Galaxis der Stern liegt. Aber sie würde sich wünschen, irgendwann mal da hin zu fliegen. Sie weiß natürlich, dass das nicht geht.
Ob man weiß, was auf dem Stern vor sich geht? Es ist nur ein kleiner Stern – da ist nichts los. Nur ein kleiner Stern, wie sie selbst – kein großer Star.

Aber eigentlich ist die Frau Musikerin. Musik mag sie wirklich gern. Da gibt es etwas, das sie jetzt zuende bringen will – ihr Album. Ein eigenes Musikalbum. Danach will sie schon auch wieder was richtig Vernünftiges arbeiten – Wirtschaft und so. Aber vorher das Album.

Sie hat einmal für einen berühmten Jazzmusiker gearbeitet. Die Musik hat sie nicht wirklich gemocht, aber da hat sie angefangen an einem eigenen Album zu basteln. Ihrs hat eher einen funkigen Stil. Das Album wird „Stoppt den Krieg“ heißen. Der Titelsong: „Ich liebe euch alle“.

Foto: Metrostation Strasbourg-St. Denis

Mittwoch, November 22, 2006

Lila-Laune-Barometer


Das Laune-Barometer in Paris ist mal wieder am Anschlag und das liegt nicht nur an der Tatsache, dass mein latent depressiver Mitbewohner eine neue Bleibe gefunden hat und nun auszieht.

Whatsoever, in der letzten Zeit bin ich nur selten in den eigenen vier Wänden.

Im online-Spiegel habe ich gerade eine Geschichte über die Pariser Metro gelesen. Dort wird berichtet, dass ein "Fahrgastzwischenfall" stets einen Selbstmord auf den Gleisen bedeutet. Demnach hatten wir also gerade gestern wieder einen lebensmüden Pariser. Wenn es außerdem stimmt, dass jeder weiß was "Fahrgastzwischenfall" bedeutet, stört es Pariser herzlich wenig, wenn sich einige von ihnen hin und wieder das Leben nehmen. Ein Freund meinte, er findet es immer sehr selbstgerecht, sich in (oder unmittelbar vor) öffentlichen Verkehrsmitteln das Leben zu nehmen. Immerhin stört man damit taunsende anderer Menschen in ihrer Tagesplanung. Der Zwischenfall gestern war aber nach kaum einer halben Stunde schon wieder geregelt.

Am Wochenende habe ich mich mit den anderen "drei von der Tankstelle" im Marais getroffen. Ein Typ, den Christian nur mal kurz in einer Bar des Viertels kennen gelernt hatte, lud ihn kurzerhand zu sich nach Hause ein. Nicht mit eingerechnet hatte der Einladende (denke ich mal), dass wir insgesamt zu neunt wären, wenn Christian schließlich mit der gesamten Entourage auftreten würde. Doch der gute Mann arbeitet für L'Oreal und leistet sich eine geräumige Stadtwohnung im Marais - bot uns wildfremden sofort Getränke und Gebäck an und so verbrachten wir eine sehr nette Aufwärmrunde (alkoholisch gesehen). Florian erinnerte sich plötzlich dunkel, in dem Haus schon mal jemand anderes gekannt zu haben - erstaunlich wie man so rum kommt. Anschließend ging es zu "Crazyvores" und der Abend wurde sogar noch eine Ecke netter.

Die neue Woche hat dann mit den gewöhnlichen Studienveranstaltungen begonnen und in meiner Klasse für "Expression orale" wurde es am Dienstag knifflig. Das Gespräch war irgendwie auf Globalisierung gekommen und da wirklich alle darauf einprügelten fühlte ich mich verlockt dem zu widersprechen. Jetzt halten mich vielleicht alle für neoliberal und böse (man lässt sich eben zu so manch gewagter Äußerung hinreißen) aber dafür habe ich meinem Französisch einen Dienst erwiesen.

Doch all das ist auch nicht der wirkliche Grund für meine gute Laune...

Foto: Himmelwärts! Obelisk und Eiffelturm in Abendstimmung.

Musik gefällig? Hier ein netter französischer Radiosender online.

Sonntag, Oktober 22, 2006

Elitär im Maxime


Einmal im Monat verwandelt sich eines der teuersten Pariser Restaurants (und Cafés) - das "Maxime" - in einen Nachtclub der ganz besonders elitären Art. Das Gebäude im Art-Deco und Neo-Klassizistischen Stil zwischen Place de la Concorde und Madeleine erhält eine dramatische Innenbeleuchtung und dient als extravagante Kulisse für einen nicht ganz billigen Party-Abend.
Die Gäste sind vielleicht ein bisschen "over the edge" aber allein die vielen beeindruckenden Räume auf vier Stockwerken lohnen es, einmal hereinzuschauen. Während in den großen Sälen des Hauses unter Kronleuchtern oder Pflanzenmustern auf edlem Teppichboden getanzt wird, gibt es auch genuegend Zimmer wo man sich in relativer Ruhe und mit einem gewissen Schauer im Rücken an Kaminen und zwischen vielen Spiegeln und Lampen unterhalten kann.

Ein bisschen aber nicht vollkommen "over the edge" waren wir auch als wir uns nach einem gemeinsamen Abendessen mit Käse, Baguette und Wein in der Warteschlange einreihten.
Der Abend ging bis 4 Uhr, dann wurde Operation "Evakuier den Gast" in Gang gesetzt - sprich, mein Besuch musste zum Flughafen befördert werden, von wo zu morgendlicher Stunde der Flieger in die Heimat abheben sollte.
Die Problematik lag bei dieser Operation freilich in der Tatsache, dass 1. die Metro erst um halb sechs wieder den Betrieb aufnimmt und 2. die Vestiare des "Maxime" keine Gepäck-Lagerhalle besitzt. Ergo war das Gepäck in einer Wohnung im Süden bei Metro St. Marcel geparkt, während sich die Zielperson im Zentrum und der Flughafen weit im Norden der Stadt befanden. Aber bereits Tage zuvor hatten wir eine ausgeklügelte Kombination an Nachtbusverbindungen herausgearbeitet, die eine sichere Evakuierung ermöglichen sollten - vorausgesetzt die Nachtbusse fuhren wie ihnen befohlen wart. Und tatsächlich - Um 5.21 saß die Zielperson im Zug nach Charles de Gaulle und ich durfte endlich "schlafen" gehen.

Foto: Die Decke über einem der "Dancefloors" des Maxime...

Dienstag, Oktober 17, 2006

Fêter au Queen


Das Le Queen ist einer der angesagtesten Pariser Clubs - prominent gelegen direkt an der Avenue des Champs Elysées und ein Muss für jeden, der die Pariser Party-Szene ein bisschen kennen will. Da ich mir in meinem geographischen Ehrgeiz diese Stadt gründlich kennen zu lernen auch eine gewisse Kenntnis des Nachtlebens verschrieben habe, war klar, dass ich hier nicht umhin käme einmal selbst die 15 Euro Eintrittsgeld zu berappen.

Als ich am Sonntag Abend den Club dann endlich betrete ist er viel kleiner als ich ihn mir vorgestellt habe. Die Stimmung ist dafür umso besser. Der Abend nennt sich Overkitsch und einige Gäste kommen dem Motto mit ihrem Aussehen mehr als nach. In der Metro sitze ich mit meinem amerikanischen Begleiter gegenüber eines rosa Engels, der dann - einen Zauberstab schwingend - zur gleichen Party geht.

Der Dj legt ordentlich tanzbare Musik auf und dank der luxuriösen Klimatechnik kommt man auch nicht so schnell außer Atem. Zwangsläufig geht der Abend bis in die frühen Morgenstunden - angereist sind wir mit der letzten Metro des Tages. Meine Begleitung ist in diesem Club offensichtlich sehr heimisch - ich werde herumgereicht und mit der halben Tanzfläche bekannt gemacht. Aber aufgrund guter Vorbereitung und weil ein Freigetränk im Eintrittspreis enthalten ist, sorgen die fallenden Hemmschwellen bald ohnehin für kollektive Verbrüderung.

Noch vor fünf Uhr verlassen wir dann den warmen Tanzsaal und müssen also eine Weile im Freien vor den noch verschlossenen Metro-Toren verbringen. Noch nie habe ich gesehen, wie so ein Betriebsbeginn der größten europäischen Untergrundbahn abläuft. Um kurz nach fünf fährt an der Station Louvre-Rivoli ein Wagen vor und eine Pullover-bewehrte, gemütlich proportionierte Frau - die Schlüsselmeisterin - steigt aus. Als wäre es ihre eigene Wohnung, schließt sie gemächlich auf und fährt das Absperrgitter nach oben.

Ich hatte gedacht diese Tore öffneten sich automatisch. Aber tatsächlich erwacht diese Metro überall in der Stadt auf die gleiche Weise: Pullover tragende, mittelalte Frauen steigen aus französischen Kleinwägen aus und schließen auf. Daraufhin räumen sie ihr Frühstückszeug ins kleine Büro und machen es sich hinter den Schaltern bequem. Um 5.30 rauschen dann die ersten Metrozüge in die Stationen und deren Fahrer sehen nicht einmal müde aus.

Foto: Neue Klamotten für Mutter. Auslage eines Modegeschäfts in der Rue St. Honoré.

Sonntag, Oktober 08, 2006

La Nuit Blanche



Es ist Sonntag, die Pariser Modewoche geht zuende (Florians "anstrengender" Job als Habilleur damit auch) und in der letzten Nacht war die gesamte Grande Nation unterwegs auf Paris' Straßen um die "Nuit Blanche" zu begehen.

La Nuit Blanche ist hier sowas wie die Nacht der offenen Museen zwischen Heidelberg und Ludwigshafen, nur viel größer und ohne öffentlichen Nahverkehr. Denn der macht unbeeindruckt weiterhin um halb eins dicht - nur die automatische Metro-Linie 14 fährt ausnahmsweise mal durch.

Meine Nuit Blanche beginnt in Creteil - eine Bewohnerin (der Name wir Una ausgesprochen, keine Ahnung wie man ihn schreibt) aus dem gleichen Block hat zum Geburtstag eingeladen. Ich klopfe an der Tür und werde freundlich eingelassen - ich bin der einzige Deutsche in einem Haufen von zehn rumänischen Mädels. Naturgemäß stehe ich sofort im Zentrum des Interesses, aber man versichert mir, nicht gleich über mich her zu fallen, wenn auch der Mangel an Jungs schon ein wenig frustrierend sei. Ich nehme einen tiefen Schluck und schätze, der Abend kann noch lustig werden.

Mein Mitbewohner kommt etwas später ebenfalls in die Runde und ich bin ihm sehr dankbar dafür. Um zwölf Uhr brechen wir alle schon leicht angeheitert auf und nehmen die letzte Metro in die Stadt. Einen richtigen Plan, was wir sehen wollen, hat keiner. Alles was wir wissen: Am Place de la Concorde gibt es einen Info-Stand.

Die Dame am Infostand versucht Una zu überzeugen, dass la Nuit Blanche zu allererst ein kulturelles Ereignis ist, an dem man die überall geöffneten und illuminierten Museen besuchen sollte. Es gäbe Konzerte und Happenings die ganz wundervoll wären. Doch Una will wissen, wo man heute Abend hier Party machen kann. Da kann und will die Dame vom Infostand aber nicht weiterhelfen.

Also machen wir uns auf die Suche und im Laufe der Nacht werden wir fast ganz Paris zu Fuß durchqueren. Es gibt durchaus eine Menge zu sehen. Die Wahrzeichen der Stadt sind prächtig illuminiert, der Obelisk am Place de la Concorde zum Beispiel leuchtet in tiefem blau. Der Champs Elysee ist noch nachts um drei vollkommen überfüllt - Millionen von Passanten flanieren hier zwischen teuren Clubs und hoher Kultur, der obligatorische Verkehrsstau auf der Prachtstraße will auch bis zum Morgengrauen nicht vergehen. Viele Leute in unserem Alter sind ebenfalls unterwegs - mit glänzenden Lackschuhen, langen Mänteln und edlen Schals. Ihre Firsuren sind verwegen und die Mädchen in ihrer Begleitung scheinen just aus den letzten Veranstaltungen der Fashion-Week entnommen zu sein.

Unsere Gruppe wird kleiner. Einige Mädels können nicht mehr, anderen sind die Preise zu hoch. Wieder andere - wie etwa das Geburtstagskind zusammen mit meinem Mitbewohner - verlieren wir einfach in der Menge. Zu fünft kaufen wir uns um halb 4 schließlich am Grand Boulevard in einen Laden ein, der leider viel zu verraucht ist. Ich denke gerade noch bei mir "ein bisschen viel Irland" als der DJ als nächstes U2 zum besten gibt. Nichts gegen Kerry-Gold, aber in Paris war ich auch schon schicker weg.

Wir bleiben bis der Laden schließt und sind schließlich wieder unterwegs - Morgens um halb sechs auf dem Blvd Stebastopol - grob in Richtung Creteil. Als wir noch einen Schlenker durch das Marais gehen wollen, laufen wir zwei alten Bekannten von mir in die Arme - Christian und Florian haben hier die Nacht verbracht (jemanden in Paris zu treffen, den man kennt, ist mir in der letzten Zeit schon zweimal passiert - ein Anzeichen dafür, langsam dazuzugehören?).

Die beiden wollen noch ein bisschen Nuit Blanche machen und zusammen steuern wir die Eglise St Eustache an (der Kunsthistoriker Florian kommt ins Schwärmen - nicht der gleiche Florian übrigens, wie im ersten Abschnitt), wo es noch ein Konzert zeitgenössischer Musik geben soll. Gibt es aber leider nicht.

Die Mädels sind nun alle endgültig am Ende und verabschieden sich in die wieder verkehrende Metro. Ich gehe mit den beiden anderen noch Frühstücken, an einer Imbissbude um die Ecke, mit Amélie als Begleitmusik aus einem abgestellten Auto. Schließlich verabreden wir uns für 12 Uhr zum Brunch (im Crous Club für 2,75 Euro) - daraus wird aufgrund von allgemeiner Schläfrigkeit dann allerdings auch nichts mehr.

Um sieben Uhr geht die Nacht zuende, es wird hell, ich bin zurück in Creteil (mein Mitbewohner ist auch schon da und kocht gerade) und irgendwie hat nichts so richtig geklappt, aber lustig war es doch schon.

Fotos: Der erleuchtete Obelisk am Place de la Concorde sowie ein überlasteter Nachtbus - RATP macht keine Extraschichten für la Nuit Blanche...

Samstag, Oktober 07, 2006

Der französische Akzent oder: "Je progresse!"


Wenn man meine letzten Einträge durchschaut könnte man meinen, ich käme kaum mit echten Franzosen in Berührung. Der Eindruck täuscht etwas. Mit Zweien treffe ich mich sogar recht regelmäßig. Der eine ist Arnaud,dem ich - vor Neid leicht mit dem linken Auge zuckend - letztens bei der Einschreibung in einer Pariser Eliteschule zuschauen durfte. Danach hatte er uns aber Eintrittskarten für die Mondial de l'Automobile organisiert. Mit dem anderen, Nicolas, Student der slawischen Sprachen an einer anderen Grand Ecole, war ich gerade mal wieder Abendessen. Normalerweise geht man mit mir nicht gern Abendessen - man kocht mir lieber zuhause, da ich inzwischen doch als echt deutscher Geizkragen bekannt sein dürfte - aber bitte: Jeden Tag 15 Euro für ne Pizza plus Boisson ist halt nicht drin bei mir.

Mit Nicolas spreche ich auch tatsächlich fast immer französisch. Meine Aussprache scheint ihn sehr zu amüsieren, auch wenn er immer wieder beteuert "so schlimm ist sie gar nicht". Arnaud nannte den Akzent letztens "mignon" - also süß - und behauptet standfest, selbst keinen Akzent im Deutschen zu haben. Da täuscht sich der Teure allerdings ein wenig. Eine Bedienung im le Carré ließ mich letztens eine Bestellung drei mal wiederholen, "weil der Akzent so toll ist".

Wird der Abend später und die Sätze komplizierter beginnt der Mundraum leicht zu schmerzen. Das Verständnis wird über den Abend in der Regel immer besser - wenn Nicolas etwa mit anderen Freunden zusammen sitzt, kann ich mich im Laufe der Unterhaltung immer besser an Tempi und Aussprache der Konversation gewöhnen. Die eigene Sprachfähigkeit nimmt aber irgendwann wieder ab - wie das halt so ist mit dem Alkohol.

Die Diskussion um den brauchbarsten Akzent ist unter Sprachstudenten allgegenwärtig und als Französisch-Frischling werde ich da auch ständig mit reingezogen. Matthieu, noch ein Franzose, ist wie Arnaud des Deutschen und Polnischen mächtig, macht sich aber überhaupt nichts aus seinem Akzent. Er vertritt die sympathische Meinung: "Hauptsache ich werde verstanden". Sein Deutsch ist wirklich fast fehlerfrei, aber die Betonung ist superlustig.

Weitere lustige Akzent-Kombinationen sind Portugiesen, die Französisch sprechen, Christian der einen "Croque Mongsieur" bestellt, Nicolas, der einen Karl-Lagerfeldschen Akzent ganz gut immitieren kann ("Schö Brokress"), Arnaud, wenn er schweizerdeutsch redet oder Florian und ich, die wir uns auf hessisch und pfälzisch unterhalten, damit die anwesenden Franzosen mal ausnahmsweise nichts verstehen.

Foto: Haben fast keinen Akzent: Russen, die französisch sprechen. Diese alte Russin aber belässt es bei russischem Liedgut in der Metro und verdient sich damit lautstark ein kleines Taschengeld.

Montag, Oktober 02, 2006

Making of




Die ersten Reaktionen auf meinen kleinen filmischen Beitrag von gestern waren großenteils von der Sorge erfüllt, ob ich denn seelisch in guter Verfassung wäre. Dieser Sorge möchte ich hiermit entgegentreten - sogar meine Halsschmerzen sind auf dem Wege der Besserung und der ewig ängstliche Hypochonder in mir hat sich inzwischen wieder einigermaßen beruhigt.
Ja der Film ist Trist. In gewisser Weise ist das natürlich der traurigen musikalischen Untermalung geschuldet - andererseits soll dieses Werk auch ein Denkmal für meine größere Speicherkarte sein - die wieder einmal streikt und im Siechtum (infirmité) darniederliegt und nur mit Gottes Hilfe (?) einmal wieder funktionieren wird.

Diesem Umstand war es dann auch geschuldet, dass die Dreharbeiten zu meinem Filmlein gleich zwei Tage in Anspruch genommen haben - meine restlichen Speicherkarten nehmen einfach nicht so viele Bilder auf. Der Film spielt am Abend (und nicht etwa am Morgen, wie man ja auch meinen könnte) und zeigt im ersten Teil Ausschnitte von der Metrofahrt in die Stadt (und eine einzige Passagierin an Bord). Dann stammen die Bilder aus der Stadt selbst - zu späterer Stunde und in der Gegend um Blvd Stebastopol - eine Gegend von Sexkinos und leichter Unterhaltung (einmal streift die Kamera einen blau erleuchteten Sexladen um die Ecke von Centre George Pompidou). Nach dem kräftigen Tusch mit dem Piano sitzen wir wieder in der Metro und der letzte Ausschnitt ist quasi eine Wiederholung von vorher - "der Kreis schließt sich". Soweit die erschöpfende Erklärung meines kleinen Films - für alle Freunde der Guufs - also der sich unweigerlich einschleichenden Produktionsfehler: Der Name der Metrostation am Ende passt überhaupt nicht in die Innenstadt von Paris - die Station Charenton-Ecoles liegt bereits außerhalb der Stadtgrenze nach Süden.

"Und seelisch ist wirklich alles in Ordnung?" - Ja! Es macht noch immer großen Spaß hier - und auch der zweite Monat in Paris ändert da noch nichts dran. Es ist schon aufregend, sich ein quasi ganz neues Leben einzurichten, mit neuer Bude in einer neuen Stadt, mit neuen Freunden und einer neuen Uni - es ist ja auch alles nur auf Zeit, mit doppeltem Boden und Fangnetz. Ganz in diesem Sinne waren wir an diesem Wochenende wieder unterwegs - unter anderem in meinem "Stammlokal" dem "Le Carré" mit einer heißen Milch (für den Hals) und im Laufe des Abends noch ein paar Französisch-Lektionen ("also ich erklär dir das jetzt einmal und dann nie wieder: rapide = Adjektiv; vite = Adverb").

Fotos: Ein paar Pariser Bildungseinrichtungen: Zum einen zwei Bilder vom Centre George Pompidou, dessen beeindruckende Bibliothek (neben einer großen wirtschaftlichen Sammlung natürlich) auch ein ganzes Arsenal an Musik vorhält. Vor und in dem Gebäude lässt es sich auch kostenlos im Internet surfen und überhaupt sicher Tage und Nächte zubringen.
Die beiden anderen Bilder stammen von der "Science Po", also dem "Institut National des Sciences Politiques de Paris", einer Eliteschule, auf der unter anderem Chirac und Sarkozy studiert haben. Wir waren wegen einer Einschreibung da - leider nicht wegen meiner eigenen. Die Atmosphäre ist vor allem in der Cafeteria im Keller sehr "lounge-mäßig". Die Studenten stammen sichtbar aus den besseren Kreisen.

Sonntag, Oktober 01, 2006

Paris bei Nacht

Ein kleiner Film zur atmosphärischen Gestaltung der Seite. (Ein bisschen Trist - aber keine Sorge!)

Montag, September 04, 2006

Paris moins cher




Alle Probleme und Unsicherheiten bei Seite - erstmal Paris Sightseeing. Von Creteil geht es mit der Metrolinie 8 in etwa einer halben Stunde in die Stadt. Die Metrostation liegt etwa 5 Minuten von meinem neuen Heim entfernt - in der Tat also kein großer Aufwand, wenn man schnell mal den Eiffelturm sehen will. Billig ists obendrein - und damit eine große Ausnahme in Paris.
Für ein Bier nicht unter 4 Euro - aber gerne auch mal 10 - nimmt der Kellner an jeder Ecke. Das Geld verlässt Dünnpfiff gleich unser Portemonnaie, wie Menschen guten Gewissens in dieser Stadt wohnen können scheint schleierhaft. Doch sie tun es: Und sie parken auch gerne mal ihren neuen Mercedes in zu kurze Parklücken ein. Das dotzt vorne und hinten ein bisschen, amüsiert den unkundigen Touristen, regt aber ansonsten weder den vorne, noch den hinten Parkenden weiter auf.
Für Nachtclubs Eintrittspreise von 20 Euro, jedes Getränk weitere 10 Euro. Wie bitte soll das ein Jahr lang auszuhalten sein? Ich beschließe in meinem Blog die Rubrik "billig Leben in Paris" einzuführen. Die erste solche Folge erscheint, sobald ich was billiges gefunden habe.
Mein Mitbewohner hat sich zu erkennen gegeben! Während er sonst immer schon schlief oder aber gar nicht anwesend war, wenn wir mal zu Hause waren, ist er nun - da sein und mein Besuch wieder weg ist - available. (Folglich gab es keine Probleme mit der Unterbringung meines Begleitkommandos)
Sein Name ist Enno und er will so schnell wie möglich hier wieder raus. Ein Doppelzimmer - so hat er sich Paris nicht vorgestellt! Ich warte mal ab und schaue was dem folgt. Wieder ein Mitbewohner? Ein Netter? Gar keiner?
Ansonsten läuft die Kooperation aber erstmal ganz gut. Sein Französisch ist nicht so gut, dafür hat er heute die Sauce zu unseren Nudeln beigesteuert. Morgen gehts an die Anmeldung in der Uni und zur Vertragsunterzeichnung im Wohnheim. Ach ja - ein neues Bankkonto soll es auch noch geben.
Das wars wieder für heute. Ja, das Afrika-Feeling in meinem Viertel wird ein andermal behandelt. Dafür gibts heute ein paar nette Bilder aus dem Themenrahmen "Touristen in Paris". Bis dann vielleicht...